Die Frage „Warum schweigen die Lämmer?“ scheint auf uns eine eigenartige Faszination auszuüben, obwohl diese Frage ganz offenkundig unsinnig ist. Denn natürlich kann man Lämmer nicht zum Sprechen bringen. Die Faszination muß also in der Metapher der Herde und des Hirten liegen.
Archiv des Autors: jensejens
Kurzinterview mit Dr. Daniele Ganser und Gästen seiner Berlin-Vorträge
Ingo Woesner vom FRIEDLICH UNGEHORSAM-Kollektiv im Kurzgespräch mit dem Schweizer Friedensforscher und Historiker Dr. Daniele Ganser. Im zweiten Teil des Videos kommen Zuhörer seiner 5 ausverkauften Vorträge im Berliner Kino Babylon im Dezember 2016 zu Wort.
Weisheit zum Thema Gefühle: Die Geschichte von den zwei Wölfen
Wir verspüren die Gefühle, die wir nähren. Davon handelt diese Weisheit.
Ein Indianerhäuptling erzählt seinem Sohn folgende Geschichte.
„Mein Sohn, in jedem von uns tobt ein Kampf zwischen 2 Wölfen.
Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Angst, Sorgen, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst.
Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.“
Der Sohn frägt: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt den Kampf?“
Der Häuptling antwortet ihm: „Der, den du fütterst.“
Liebe und Illusion
„Die Bejahung des eigenen Lebens, des Glückes, des Wachstums und der Freiheit wurzelt in meiner eigenen Liebesfähigkeit: in meiner Fürsorge, meiner Achtung, meinem Verantwortungsgefühl und meiner Erkenntnis. Ein Mensch, der produktiv lieben kann, liebt auch sich selbst. Kann er nur andere lieben, so kann er überhaupt nicht lieben.“
Erich Fromm
„Infantile Liebe folgt dem Prinzip: ‚Ich liebe, weil ich geliebt werde.‘
Reife Liebe folgt dem Prinzip: ‚Ich werde geliebt, weil ich liebe.‘
Unreife Liebe sagt: ‚Ich liebe dich, weil ich dich brauche.‘
Reife Liebe sagt: ‚Ich brauche dich, weil ich dich liebe.'“
Erich Fromm
Die Liebe ist die stärkste Kraft in unserem Leben. Wir alle möchten lieben und geliebt werden. Verspüren eine existentielle Sehnsucht hiernach.
Die Liebe dient dem Leben. Nur durch sie entfalten und entwickeln und verändern wir uns, integrieren neue Erfahrungen und werden mehr als was wir bisher schon sind.
Sie ist es, die uns Grund ist, mutig zu sein, uns zu öffnen, verletzbar zu machen und hinterfragen. Sie ist es auch, die uns hoffen und ahnen, eine Sehnsucht nach Wachstum und Entwicklung verspüren lässt.
Das vermag nur die Liebe. Die Angst vermag das nicht.
Liebe macht groß und integriert Neues. Angst macht klein, eng, verhindert persönliche Entwicklung und Integration.
Oft berühren uns einzelne Eigenschaften oder Fähigkeiten anderer Menschen so tief, dass es uns warm ums Herz wird, unsere Liebe sich regt. Und immer ist dies auch Ausdruck der Liebe zum Leben selbst, die sich als Liebe zu einem anderen, Neugier und Sehnsucht da ins uns regt und zu offenbaren beginnt.
Das deshalb, weil sich in dem, was unsere Liebe im anderen liebt, etwas Besonderes, etwas Großes und Ganzes, etwas Lebendiges offenbart, nach dem auch unsere Seele sich sehnt. Wir lieben im anderen dessen bereits entfaltetes Lebenspotential – als Vorbildung und Abbild der Entfaltung desselben auch in uns.
Liebe bedeutet daher Leben, meint immer Wachstum und Veränderung mit dem Ziel der Entwicklung und Entfaltung des eigenen Potentials.

Doch ist all das Liebe, was wir täglich beobachten? Was Menschen einander tun? Nein, das ist es nicht. Sehr oft handelt es sich bei dem, was wir für Liebe halten, in Wirklichkeit um „Liebesillusionen“.
Franz Ruppert hat in seinen bemerkenswerten Arbeiten zum Thema herausgearbeitet, dass ein „Trauma der Liebe“, hervorgerufen durch eine Frustrierung des Urbedürfnisses nach Liebe, Geborgenheit, Spiegelung und Sicherheit in unserer Kindheit, eine so lebensbedrohliche Erfahrung darstellt, dass unsere Seele hierauf nur mit einer seelischen Spaltung zu reagieren vermag.
Das Trauma der Liebe ist das Ur-Trauma, das uns Menschen zu verletzen und schädigen vermag. Und eine Art Verletzung, für die fast die gesamte Gesellschaft, in der wir leben, blind ist, sodass das aus ihm resultierende Leiden unbemerkt das Leben vieler Menschen bestimmt und von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Wird ein Kind in seiner bedingungslosen Liebe zu seinen Eltern enttäuscht oder schlimmer noch zu Tode geängstigt, vermag es in seinen Eltern die Liebe und damit den Zugang zu sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen nicht zu finden, hat es nur eine Wahl: Es identifiziert sich mit den nicht anwesenden, nicht liebesfähigen Eltern und nimmt als seine Lebensrealität und -erwartung eben nicht den bedingungslosen Glauben in seine eigen Realität und seine Empfindungen in sich auf, sondern die Traumarealität und Vernachlässigung, die ihm als einziges Modell für „Leben“ verfügbar sind.
In Folge wird es lernen, die Gefühle seiner Eltern zu fühlen und sich selbst und seine eigenen zu verleugnen, es spaltet sie ab. Nur so kann es im illusionären Kontakt zu den Eltern „Beziehung“ erleben. Würde es sich selbst und seinen eigenen Regungen folgen, drohte Bindungs- und Beziehungsabbruch, drohten ggf. Terror, Not oder sogar der Tod.
Statt der Liebe zu sich, die es von außen erlernen muss, und aus der eines Tages eine Liebe zum Leben zu erwachsen vermag, verinnerlicht es seinen eigenen Missbrauch als Lebenskonzept: Ich bin nichts wert, ich habe es nicht verdient, geliebt zu werden, ich muss hart daran arbeiten, die Liebe von anderen „zu erwerben“ – all so etwas muss das Kind glauben und als vermeintliche Wahrheiten in sich aufnehmen, weil es nur so zu überleben vermag.
Es wird sich später im Leben nicht kennen. Immer seinen eigenen Gefühlen und Regungen misstrauen. Und versuchen, in der Anpassung an andere Liebe und Sicherheit zu finden. Es wird kein Verständnis dafür haben, dass Liebe nicht meint, Anerkennung für Leistung oder Aufopferung zu erhalten, sondern eben, das Leben selbst und also eine andere Person mit all ihren Eigenschaften, Stärken wie Schwächen, zu bejahen, ihr gesamtes Sein. Ohne dass hierfür etwas getan werden muss.
Die Realität dieser Kinder ist nachhaltig verzerrt. Sie sehen die Welt nicht so, wie sie wirklich ist, sondern immer durch die in die eigene Seele aufgenommen Lügen der frühen Entbehrungen. Oft suchen sie sich misshandelnde oder zu Liebe unfähige Partner.
Sie sind in der Lage, sich einzureden, dass der Partner, der sie schlägt, sie eigentlich liebe; und sie vermögen, einen Eisblock aus ganzem Herzen zu lieben und sich einzureden, wenn sie nur genug an sich arbeiteten und nur mehr und immer mehr liebten, taute er eines Tages auf.
Das ist nicht Liebe. Das sind Liebesillusionen.
Es handelt sich um die ständige Wiederholung der Überlebenszwänge der Kindheit – ohne wirklichen Kontakt zur Realität, wie diese im Hier und Heute vorhanden ist.
Der einzige Weg aus diesen ständigen Reinszenierungen des eigenen Ur-Traumas und also Leidens hinaus, besteht darin, zu erkennen, dass es im Hier und Heute nicht mehr das Leben ist, das einen unterdrückt; und vor allem, dass man der Not und dem Elend, das einem begegnet, im Hier und Heute nicht mehr hilflos ausgesetzt ist.
Wichtige Fragen lauten: Wer bin ich? Und was ist wirklich Liebe für mich?
Seit fast zwei Jahrzehnten bin ich auf der Suche nach den Antworten hierauf.
Die eigenen Illusionen und Muster zu erkennen, ist aber nur der erste Schritt in Richtung Heilung. Denn in dem Moment, wo man die Muster und Illusionen mutig als solche zu benennen beginnt, kommt all das Verdrängte hoch, all der Schmerz, zu dessen Abwehr die Realitätsverleugnung einst etabliert worden ist.
Die auf diese Art und Weise verletzten Kinder sind tief verletzt, liebesbedürftig und strahlen oft große Liebe und Weisheit aus. Aber selbst wenn sie sich auf den Weg machen, zu heilen, scheitern sie oft an einem finalen Schritt.
Denn der Hass auf die eigene Lebendigkeit und Liebe, der aufgrund der frühen Entbehrungen als Selbsthass in ihre Seele eingebrannt ist, er ist die schlimmste und kaum zu überwindende Hürde auf dem Weg zur Wahrheit, zu wirklicher Liebe und Glück.
Selbst dann, wenn Menschen wie ich ihre eigenen Misshandlungen anerkennen, selbst, wenn sie den Schmerz und die Todesangst wieder ins Leben geholt haben: eines bleibt. Den Hass auf sich selbst, der die Abspaltung absichert, zu überwinden.
Konkret: Nur, wenn ich anerkenne, dass ich als Kind nie geliebt wurde, sondern ständig in Angst und Todesgefahr war, kann hieraus eine Art von Empathie mit sich selbst erwachsen, die anders als die bisherige Verleugnung zu heilen vermag.
Die Lösung lautet: Ja, ich bin zutiefst verletzt; ja, ein Teil von mir ist noch ein kleines und hilfloses Kind. Ein Kind, dass aber dennoch alle Liebe der Welt – vor allem meine eigene – verdient hat, und überhaupt nur nachzureifen vermag, wenn ich Ja sagen kann. Ja zu seiner und also meiner Bedürftigkeit, zu meiner immensen Sehnsucht nach Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit.
Jede Krise wird uns wieder dazu bringen, auf alten Gleisen zu fahren. Wenn man einen Menschen wirklich von Herzen liebt, die Beziehung aber in eine existentielle Krise geraten ist, haben traumatisierte Menschen in Summe zwei Optionen.
1.
Da ihre Liebesfähigkeit und ihr Mut zu lieben traumatisiert und also zu Tode geängstigt sind, sie sich diese eigene Not und vor allem Bedürftigkeit aber nicht eingestehen können, da sie sonst auf einer Ebene verletzbar würden, die für sie Todesangst meint, reagieren sie mit kindlicher Bockigkeit, Stolz, dem erlernten Selbsthass und neuerlicher Abspaltung von sich selbst. Erneut trennen sie sich seelisch von ihrem inneren, traumatisierten Kind, das sich nach Liebe sehnt, aber Todesangst hat. Todesangst vor Nähe, in der sie mehr als ihre Rolle sind, die ihnen Sicherheit gibt und dennoch das Leben zerstört. Sie spalten dessen narzisstische Bedürfnisse, die allein zu Nachreifung und dem Anwachsen der eigenen Liebesfähigkeit führen könnten, ab. „Ich habe Dich nie geliebt“, „Ich fand Dich noch nie attraktiv“, „Eigentlich war das von Anfang an nichts“ sind dann die Sätze, die der in ihrer Seele noch aktive Selbsthass sie dem Partner zu sagen aufzwingt. Der Selbsthass, der den alten Missbrauch repräsentiert, und nun zu neuem Missbrauch wird. Denn erneut verraten sie, um sich zu schützen, ihre wahren Bedürfnisse und Potentiale, und setzen den Täter in sich gegen das Opfer ins Recht.
Tatsächlich aber war ihre Liebe real. So real sogar, dass ihr traumatisierter Anteil sich aus der Deckung und also „ins Leben“ gewagt hat. Und da er zutiefst verängstigt und verletzt und seine Realität nach wie vor verbogen und verzerrt ist, sabotiert dieser traumatisierte Anteil mit der Zeit die Beziehung; denn das, diese „destruktive Art“ von Liebe, die ihren Ursprung in Ohnmacht und Liebesillusionen hat, ist die einzige Art Liebe, die er bisher zu lernen vermocht hat.
Er will dann den Partner bspw. beherrschen, wird manipulativ; oder er vermeidet Selbstbehauptung und Auseinandersetzung aus Angst vor Verlassenwerden und Liebesentzug. Aber gerade die Tatsache, dass eine Beziehung, diese Muster reaktiviert, bedeutet, dass das hilflose Kind sich ins Leben getraut hat. Wer es liebt, wirklich zu lieben begonnen hat, der sucht sich Beziehungen, die so tief und authentisch sind, dass dies überhaupt möglich erscheint. In Anerkennung seiner Sehnsucht nach Spiegelung, Zärtlichkeit, Geborgenheit und Entwicklung lässt er sich auf keinen Eisblock, Täter oder empathiefreien Menschen mehr ein, sondern bindet sich an Partner, die liebesfähig sind. Und er verrät seine eigene Hilflosigkeit auch nicht in der Krise und wenn also sein traumatisierter Anteil, um nachreifen zu können, furchtbare Fehler begangen und die Beziehung fast ruiniert hat.
2.
Das aber ist womöglich der schwerste Schritt „ins Leben zurück“: In der Not, von Zweifeln, Selbsthass und Stolz zerfressen, den Schutzschildern wider die eigene Verletztheit, Bedürftigkeit, Sanftheit und Sehnsucht im Herz ausgeliefert, immer die Stimme im Kopf „Ich schaffe das allein, ich brauche niemanden; ich bin nicht bedürftig, ich gehe jetzt!“ – in diesem Moment nicht auf das Alte, die Illusionen, das Muster und also Trauma zu hören, sondern Verantwortung zu übernehmen auch und vor allem für das Verdrängte, Verleugnete, Abgespaltene und also Ja zu sagen zur eigenen Todesangst.
Und dann zum Partner zu gehen und gegen die alten Programme die wirkliche Wahrheit hinter der Scheinrealität zu verantworten und sagen: „Ich bin so unglaublich tief verletzt und in meiner Liebe und Liebesfähigkeit erschüttert und traumatisiert. Der eine Teil in mir, der traumatisierte Teil, will sich unterwerfen, er will, dass ich mich aufgebe, um Dich zu binden und auf diese Art die Krise vermeintlich zu meistern. Der andere, der Überlebensanteil, ist stolz und rät, einfach zu gehen – da ist nichts, was es verdient, zu warten und in diesem Warten zu leiden für nichts und wieder nichts. Er sagt: ‚Es funktioniert doch sowieso alles nicht, geh einfach, geh, Du brauchst niemanden, geh!‘ Aber die Wahrheit ist eine ganz andere: Ich will weder meine Liebe verleugnen noch mich selbst. Ich will mich nicht unterwerfen, sondern Dir auf Augenhöhe begegnen und wachsen mit Dir. Und ich will nicht aus Angst vor Verletzung das verraten, was ist, und bockig einfach gehen. Ich bin so tief verletzt und habe nun zum ersten Mal Kontakt zu meiner eigenen Hilflosigkeit und Bedürftigkeit – und ich habe ganz real, hier und jetzt, Todesangst, das zu offenbaren und mich zu öffnen für Dich. Aber ich möchte es doch versuchen – versuchen, ob Liebe möglich ist, obwohl ich bin, wie ich bin. Meiner Liebe und dem Leben willen. Weil wir nur so beieinanderbleiben und uns gemeinsam weiter entwickeln können. Wenn ich nicht mehr weglaufe vor mir – meiner Liebe und Sehnsucht nach Dir, dem Leben und dahinter: mir.“
Es waren reale Schmerzen, die ich beim Sprechen erlebte. Reale Todesangst. Die Spaltung war für einen Moment überwunden. Alles war auf einmal da und daher zum ersten Mal wirklich real. Kraft, Mut und Angst. Liebe und tiefste Angst davor, wirklich zu lieben – mit Haut und Haaren, ohne Schutzschild, sondern ganz.
Und – wider alle Erwartungen – brachte mich der andere nicht um, wie mir das das alte Muster suggeriert hatte: „Wenn Du Dich wirklich mit allem öffnest, was Du bist, wirst Du sterben; niemand liebt Dich, wie Du bist, niemals!“. Im Gegenteil: Durch den Schleier meiner Angst und Tränen blickte ich in zutiefst gerührte und bewegte Augen, die ebenfalls Tränen vergossen. Und erlebt zum ersten Mal in meinem Leben, was wirklich Liebe ist; dass ich ich sein kann ohne zu sterben. Mit 39 Jahren war ich zum ersten Mal „ganz“, wirklich ich.

Die Beziehung ging dennoch zu Ende. Und es sind nun schon viele Wochen, in denen ich von Schmerzen, Ängsten, Schuldgefühlen, Selbsthass und anderem heimgesucht werde. Ich spaziere, vollständig erschöpft, durch die Stadt. Und auf einmal fließen die Tränen und versiegen für Stunden nicht mehr. Ich liege nachmittags im Bett und beobachte die Welt und plötzlich habe ich starke Schmerzen, die kommen, bleiben und nach einiger Zeit wieder gehen.
Wo nimmt man die Kraft her, aus Liebe zum Leben und also Wachsen und Werden, Ja zu sagen auch zu diesem Leiden, Sterben und Tod? Ich habe sie aus der Liebe zu einem anderen Menschen geschöpft, die mir – nach so vielen Jahren – den Weg aufzeigte, mich selbst wirklich einzulassen, erleben, kennenzulernen und nachzureifen. Meinem traumatisierten inneren Kind seine Bedürfnisse eben nicht mehr wut- und hassentbrannt aus der Hand zu schlagen und meine Seele damit wieder in das Gefängnis der inneren Einsamkeit, Verzweiflung und Depression zu sperren.
Mein Wille und meine Fähigkeit, die tiefe Schönheit einer anderen Seele zu sehen, hat mir den Mut geschenkt, nicht nur zu geben, sondern auch zu nehmen; und nicht nur zu nehmen, sondern auch zu wachsen durch dieses Geschenk, das zu geben so viele zuvor gar nicht in der Lage gewesen sind.
In meiner Liebe und meinem Vertrauen für sie habe ich mich selbst zu lieben und mir zu vertrauen gelernt.
Nun ist die Beziehung vorbei. Und ich leide. Aber nun kann ich hoffen und glauben: dass, was in den wenigen wirklich tiefen und wahrhaftigen Büchern steht, wahr ist: dass nur das Ja zu diesem Tod, den ich nun sterbe, die Transformation und Nachgeburt erlaubt und daher ein Ja zum Leben, zum Wachsen meiner Erkenntnis, Weisheit, Lebendigkeit und Liebesfähigkeit meint. Den Mut aufbringen, zu sagen: das ist „Wachstumsschmerz“ – endlich kommt alles bisher Ungefühlte zu Bewusstsein und damit ins Leben und die Verantwortung zurück.
Andere leben um zu sterben. Ich sterbe um zu leben. Eines Tages schreibe ich hierzu ein Gedicht.
Weiterlesen:
Franz Ruppert: „Das Trauma der Liebe“
Andrew Vachs: „Du trägst das Heilmittel in Deinem eigenen Herzen“
Weiterschauen:
Das Trauma der Liebe
nach Prof. Franz Ruppert
Bei einem Symbiosetrauma – oder auch „Trauma der Liebe“ – erleidet das Kind ein Trauma, weil seine naturbedingten kindlichen Bindungsbedürfnisse von der Mutter nicht ausreichend befriedigt werden.
Die kindliche Bedürftigkeit nach der Liebe seiner Eltern, nach Geborgenheit, Zugehörigkeit, Nähe, Wärme und Körperkontakt werden nicht gestillt oder die Mutter kann die Signale, die das Kind aussendet, nicht feinfühlig beantworten. Sie kann sich nicht in das Kind einfühlen und weiß einfach nicht, welche Bedürfnisse und Not das Kind gerade verspürt und befriedigt haben muss. Sie bemüht sich nach allen Kräften, das Kind zu beruhigen, merkt aber selber nicht, dass sie sich den gefühlsmäßigen Bindungsbemühungen des Kindes innerlich verschließt. Je mehr es weint, schreit, unruhig und fordernd ist, desto stärker zieht sich die Mutter gefühlsmäßig zurück und baut eine immer größere Distanz zum Kind auf. Diese innere Distanzierung kann so weit gehen, dass die Mutter zwischen sich und dem Kind ein Mauer aufbaut, durch die keinerlei Gefühle mehr hin- und herfließen können.
Ganz egal, was das Kind unternimmt, ob es sich still zurückzieht, ob es seine Angst zeigt, ob es wütend ist oder ob es weint oder unruhig ist, es erhält nicht die liebevolle, verständnisvoll zugewandte Reaktion seiner Mutter, die es bräuchte, um sich bei ihr sicher und geborgen zu fühlen.
Das Kind fühlt sich:
- alleingelassen
- nicht geliebt und abgelehnt
- einsam und verlassen und
- hat eine enorme Wut auf die Mutter, die aber unterdrückt werden muss
Die Folgen des Symbiosetraumas sind:
- extremes Rückzugsverhalten
- unterdrückte Wut
- unterdrückte Trauer
- Tendenz zur Selbstaufgabe
- Verlassenheits- und Einsamkeitsgefühle
- Todesangst
- Aufgabe des Vertrauens in sich selbst
Aufgrund ihrer eigenen Traumatisierung ist die Mutter nicht in der Lage die Signale des Kindes richtig zu erkennen und kann sie deshalb auch nicht angemessen und feinfühlig beantworten. Unbewusst hat sie Angst davor sich dem Kind gefühlsmäßig zu öffnen, da sie befürchtet im Kontakt mit dem Kind von ihren eigenen Traumagefühlen überflutet zu werden. So stellt das Kind für die Mutter mit seinen Bindungsforderungen wie Weinen und Rufen eine ständige Quelle von psychischem Stress dar. Durch die Bindungsbedürfnisse ihres Kindes wird die Mutter an ihr eigenes inneres abgespaltenes, weggeschobenes und traumatisiertes Kind erinnert.
Den Zustand der Bindungslosigkeit kann ein Kind nicht lange ertragen, da die seelischen Schmerzen unerträglich sind. Um diese emotional unerträglichen Situationen zu überleben, hat die Psyche die Fähigkeit, die traumatischen Gefühle abzuspalten und Illusionen zu entwickeln. Das Kind beginnt die Mutter zu idealisieren und malt sie sich und die Kindheit in rosaroten Farben aus. Es passt sich an die Persönlichkeit der Mutter an, an ihre Wünsche, ihren Willen, ihre Sichtweisen, ihr Denken, ihre Werte und ihre Überlebensstrategien.
Mit der Abspaltung der Symbiosetraumagefühle (Unruhe, Ohnmacht, Wut, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Trauer, Einsamkeit, Todesanst) beginnt die Psyche des Kindes nun mit der Entwicklung eigener Überlebensstrategien und -anteile.
Folgende Merkmale zeigen die Überlebensanteile:
- sie sichern das Überleben in der Traumasituation
- sie überwachen die seelischen Spaltungen
- sie verdrängen und leugnen das Trauma
- sie ignorieren und lenken ab
- sie kontrollieren die traumatisierten Anteile
- sie kontrollieren andere Menschen
- sie suchen nach Kompensationen
- sie erzeugen Illusionen
- sie sind unterwürfig und latent aggressiv
- sie erzeugen weitere Spaltungen
Die Überlebensanteile des Kindes übernehmen nun die Führung in seinem Leben: Das Kind fühlt sich selber schuldig, von der Mutter abgelehnt zu werden. Es kann nicht verstehen, warum die Mutter ihm die liebevolle Zuwendung nicht gibt und sucht die Schuld hierfür bei sich selbst. Es lehnt die eigene Abhängigkeit, Bedürftigkeit und Schwäche ab und versucht nun groß und stark zu sein, damit es nicht zu einer Last für die Mutter wird. Um den eigenen Schmerz des Verlassenseins nicht zu spüren, wird es wütend über sich selber.
Um sich doch noch Zugehörigkeit, Halt und Orientierung zu sichern, beginnt die Psyche unbewusst nach alternativen Bindungsmöglichkeiten an die Mutter zu suchen.Eine Möglichkeit, an das ersehnte Ziel zu kommen besteht darin, die eigenen inneren Grenzen immer weiter zu öffnen. So verlagert es sein inneres Zentrum immer weiter nach außen, um sich so tiefer in die Psyche der Mutter einzufühlen. Der Preis für die Ausweitung der psychischen Grenzen ist der Verlust des Kontaktes zu sich selbst. Das kann soweit gehen, dass es sein eigenes Selbst aufgibt. Über diesen Weg kommt das Kind mit den abgespaltenen Traumagefühlen der Mutter in Kontakt. Die Überlebensanteile des Kindes fühlen sich von der Stärke der abgespaltenen Gefühle der Mutter wie magisch angezogen.
Diese ursprünglich für die Mutter überwältigenden Traumagefühle können so stark sein, eine so magnetische Anziehungskraft besitzen, dass sie das Kind völlig überschwemmen können. Ist das Kind erstmal ganz gefangen und emotional verstrickt in den symbiotisch negativen Gefühlen, so ist es fast unmöglich, einen gesunden Kontakt zu sich selber aufrechtzuerhalten. Diese negativen Emotionen der Mutter nehmen die Seele des Kindes fast völlig in Besitz. Es kann dann nicht mehr unterscheiden, welche Gefühle gehören zu mir und welche Gefühle gehören zur Mutter.
Der Preis für diese negative symbiotische Bindung an die ins Unbewusste abgeschobenen Gefühle der Mutter ist also die Aufgabe des eigenen Selbst.
Je massiver das Traumaerlebnis war, desto stärker sind auch die Überlebensanteile und die Überlebensstrategien. Der Überlebensanteil ist lebensrettend nach der traumatischen Situation, denn er ermöglicht nach dem Traumaereignis das Überleben. Werden die Überlebensstrategien auch dann noch aufrechterhalten, wenn die traumatische Situation schon längst vorbei ist, dann können sie zu einer enormen Entwicklungsblockade werden.
Denn der Überlebensanteil verleugnet das Trauma, vermeidet Erinnerungen daran, ignoriert und lenkt ab. Er akzeptiert die Realität nicht und kann aggressiv reagieren, wenn jemand von außen seine Vorstellungen in Frage stellt. Er verhindert das Erkennen der Realität, die gefühlsmäßige Wahrheit und Klarheit. Aus diesem Grunde ist es für eine gesunde und stabile Persönlichkeitsentwicklung notwendig, dass die Trauma-Schutzmechanismen vorsichtig und Schritt für Schritt abgebaut werden, sobald die ursprünglich bedrohliche Situation vorbei ist.

Weiterlesen: http://www.franz-ruppert.de/index.php/de/downloads/send/17-gehaltene-vortrge-deutsch/154-das-trauma-der-liebe-stuttgart-2015
Wege zu Heilung und Transformation: https://www.klett-cotta.de/buch/Systemische_Therapie/Symbiose_und_Autonomie/12563
Spendenaufruf
Liebe Freunde,
meine journalistische Tätigkeit ruht die nächsten Monate. Ich muss aus gesundheitlichen Gründen deutlich kürzer treten. Wem die Arbeit etwas bedeutet hat und wer mich in dieser Lage unterstützen mag, der und die kann das bspw. über diesen Link hier tun: https://www.paypal.me/JensWernicke.
Mit Dank und besten Grüßen; Euch allen ein frohes neues Jahr:
Jens Wernicke
Die Bewusstseins-Industrie
Edward L. Bernays formulierte vor fast einem Jahrhundert: „Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht überraschend, dieser Zustand ist nur eine logische Folge der Struktur unserer Demokratie.“ Und Hans Magnus Enzensberger sekundierte vor nicht gar so langer Zeit, indem er feststellte, der gesellschaftliche Auftrag der Bewusstseins-Industrie sei „heute überall derselbe: die existierenden Herrschaftsverhältnisse, gleich welcher Art sie sind, zu verewigen. (…) Materielle Ausbeutung muss hinter der immateriellen Deckung suchen und die Zustimmung der Beherrschten mit neuen Mitteln erwirken. (…) Gepfändet wird nicht bloß Arbeitskraft, sondern die Fähigkeit, zu urteilen und sich zu entscheiden.“ Wie aber dürfen wir uns das vorstellen: die tägliche Manipulation, die unser Denken in vorgefertigte Muster zu zwingen versucht? Hierzu sprach Jens Wernicke mit dem Politikwissenschaftler und Propagandaforscher Jörg Becker.
Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=36428
Hirnsteine!
Ein Gastbeitrag von Ullrich F. J. Mies
Jeder hat schon einmal von Gallensteinen, Blasensteinen oder Nierensteinen gehört, mancher war von diesen sehr schmerzhaften
Steinleiden sogar schon selbst betroffen. Im Vergleich dazu sind Speichel- und Mandelsteine eher selten und daher auch weniger bekannt.
Kaum zu glauben, selbst Kotsteine gibt es. Und wenn Ohrensteine in Unordnung geraten, stellt sich ein nachhaltiges Schwindelgefühl ein.
Neue medizinische Entdeckung
Eine neue medizinische Entdeckung hingegen sind die Hirnsteine. Insbesondere in Deutschland – dem Hort der aussterbenden Dichter und Denker – treten Hirnsteine in den letzten Jahren, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, in geradezu epidemischem Ausmaß auf.
Vom Hirnsteinbefall besonders betroffen sind ersten Anaysen zufolge das Berliner Regierungsviertel, die Zentralen der großen Parteien,
die Mainstream-Medien, Teile der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, Think Tanks und im under-cover-Sektor tätige Spalter der Widerstands-Szene.
Nicht nur die zunehmende Häufigkeit des Hirnsteinbefalls ist Besorgnis erregend, auch der rapide Verlauf dieser gefährlichen
Zerebralerkrankung stellt die Fachwissenschaft noch vor große Rätsel.
Erste Diagnosen und Erkenntnisse
Die Hirnsteinerkrankung ist insbesondere deshalb so gefährlich, weil sich die Hirnsteine im Kopfgehäuse vieler Zeitgenossen
bereits kurz nach Auftreten des Erstbefalls in immer neuen Schüben zu wahren Geröllhalden auftürmen und den Denkapparat
letztlich vollständig lahm legen. Auch wenn die medizinische Erforschung der Hirnsteine erst am Anfang steht, können
einige Experten schon heute sagen, dass bereits nach wenigen Hirnstein-Schüben die ursprüngliche Hirnmasse vollständig
von Konkrementen verdrängt wird und es folglich im Oberstübchen ganz gewaltig rappelt.
Die Erstdiagnose „Hirnstein“ bedeutet für den behandelnden Mediziner: Er kann seinem Patienten nicht mehr helfen,
da die Erkrankung stets schnell und irreversibel verläuft. Dabei könnten Betroffene die ersten Veränderungen im Oberstübchen
schon frühzeitig bemerken. Statt dessen ignorieren sie die unverkennbaren Rasselgeräusche bei jeder Kopfbewegung.
Zunächst sind diese nur leise hörbar, nach weiterer Progression der Hirnsteinerkrankung jedoch deutlich vernehmbar.
Im Endstadium der Erkrankung stellt sich totale Stille ein, dann, wenn sich das Geröll zu Beton versteinert hat.
Hirnsteinerkrankung und Betonkopf stehen – soweit ist die Forschung bereits – in einem direkten und unauflöslichen Zusammenhang.
Erste Theorieansätze
Die ersten zaghaften Ansätze einer Theoriebildung haben unter den Experten bereits zu zwei Schulen geführt:
Während die eine Gruppe der Hirnstein-Theoretiker fest davon überzeugt ist, dass bei den Betroffenen eine genetische Disposition vorliegt,
ist die andere Gruppe sich sicher, dass das Befeuern stets der selben Synapsen zu kristallinen Ausfällungen im Gehirn führt,
die sich schließlich zu Hirnsteinen verfestigen. Stichhaltige Beweise für ihre Hypothesen konnte bislang weder die eine noch
die andere Wissenschaftlergruppe vorlegen. Ganz besonders übel sieht es für die Betroffenen aus, wenn Hirnsteinbefall und frühe Altersdemenz zusammenfallen.
Fehlende Therapie
Da alle bisher bewährten Therapien zur Steinenfernung wie minimal-invasive chirurgische Eingriffe, traditionelle Operationsmethoden, die Lithotripsie (extrakorporale Steinzertrümmerung durch Ultraschall oder Stoßwellen) sowie die Litholyse (Auflösung von Steinen) zum Scheitern verurteilt sind, raten Experten zur Betonkopf-Sprengung.
Die neuen Mächtigen
Während Regierungen und Leitmedien seit der Finanzkrise das Theater aufführen, eine umfassende Bankenkontrolle und -regulierung stünde unmittelbar bevor, bauen die Eliten ihre Macht aus und modernisieren sie. Die „neuen Mächtigen“ werden nicht reguliert, ihr Handeln organisiert sich über keine Bank. Dennoch bedrohen Sie Demokratie, Sozialstaat, Arbeitsverhältnisse und Lebenssicherheit. Doch um wen handelt es sich? Und wie steht es um den von Georg Schramm konstatierten Krieg „Geld gegen Staaten“? Zu diesen Fragen sprach Jens Wernicke mit dem Autor und Publizisten Werner Rügemer, der mit seinem neuen Buch eine Art „Geschichtsschreibung von unten“ vorgelegt hat, die die Unterdrückungsverhältnisse hinter dem Nebel der alltäglichen Propaganda wieder sichtbar macht.
Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=36414
„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“
Die Hartz-Gesetze stehen synonym für ein System aus Lohnsenkungen, Verarmung, Entrechtung und den Kampf gegen Arme statt gegen Armut. Sie eröffneten das Dauerfeuer auf Lohnabhängige und forcierten eine Entwicklung hin zum Boom der Leiharbeitsbranche, die aus gutem Grund auch als „moderner Sklavenhandel“ kritisiert wird. Dank der neoliberalen Ideologie, die die Armen für ihr Elend selbst verantwortlich macht und verpönt, ist der reale Widerstand der Betroffenen gegen die ihnen beständig zugefügten Demütigungen oft gering. Dass das nicht so sein muss, erfuhr Jens Wernicke im Gespräch mit dem Anti-Hartz IV-Aktivisten Manfred Bartl, der immer wieder mit verschiedenen Aktionen darauf hinweist und dafür wirbt, die eigenen Grundrechte ganz praktisch zu verteidigen, um in diesem System nicht unterzugehen.
Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=36319
Die neoliberale Invasion
Wieso ist der Neoliberalismus seit fast 50 Jahren so wirkmächtig? Eine mögliche Antwort auf diese Frage hat Edward L. Bernays bereits vor fast einem Jahrhundert formuliert: „Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht überraschend, dieser Zustand ist nur eine logische Folge der Struktur unserer Demokratie.“ Lässt sich mit dieser Sicht aus der Perspektive der PR die Wirkweise des Neoliberalismus und seines Netzwerkes erklären? Welche Ziele hat der Neoliberalismus, wer unterstützt ihn und wie wurde die politische Landschaft geprägt? Zu diesen Fragen sprach Jens Wernicke mit Sebastian Müller, Herausgeber des Mehrautorenblogs le Bohémien, der die neoliberale Invasion seit Langem kritisch begleitet und analytisch seziert.
Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=36299
Die Existenzkrise der EU
Nach der Entscheidung vom 23. Juni verlässt mit Großbritannien erstmals ein Mitgliedsland die EU. Auch Linke sprachen sich in der vorausgegangenen Kampagne für den Austritt aus. Einige sehen im Brexit bereits den Beginn der Auflösung der Union, da weitere Länder diesem Beispiel folgen könnten. Die andauernde Krise um Griechenland offenbart exemplarisch die Schwächen des Eurosystems: Statt zu sozialer und ökonomischer Konvergenz unter den Euroländern beizutragen, führt es zur Auseinanderentwicklung von Löhnen und Produktivität. Neben Griechenland sind auch Portugal, Spanien und selbst Italien hiervon betroffen. In einigen Ländern mehren sich daher bereits die Forderungen, nicht nur die Eurozone, sondern auch die EU zu verlassen. Es sei dringend an der Zeit, offensiv „Gegen eine EU der Banken und Konzerne und für Solidarität und Demokratie“ einzutreten, meint auch Winfried Wolf, Autor von „Die griechische Tragödie. Rebellion, Kapitulation, Ausverkauf“ und Chefredakteur von Lunarpark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie, im Interview mit Jens Wernicke.
Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=36261
Leuchttürme der Postdemokratie
Die Eliten sind sie leid, die gute, alte Demokratie. Das sagen sie nicht nur immer wieder, das zeigen sie auch allerorts. Besonders deutlich beispielsweise dann, wenn sie mit aller Macht ökonomisch aberwitzige und ökologisch zerstörerische Projekte gegen jede Vernunft, vor allem aber die eigene Bevölkerung zu realisieren versuchen. „Stuttgart 21“ gilt hier als Paradebeispiel: Obwohl inzwischen von einem Vielfachen der ursprünglich geplanten Steuermittel die Rede ist, obwohl die Bevölkerung den Bahnhof nicht will und er – einmal angenommen, er würde jemals fertiggestellt – die Situation in Stuttgart sogar maßgeblich verschlechtern und wahrscheinlich niemals eine Betriebserlaubnis erhalten wird: Politik und Wirtschaft beharren – koste es, was da wolle! – auf ihrem undemokratischen Wahn eines „Leuchtturmprojekts“, das weltweit erstrahlen soll. Doch warum? Zu dieser Frage und dem Stand von Stuttgart 21 sprach Jens Wernicke mit dem Stuttgarter Gemeinderat Hannes Rockenbauch.
Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=36214
Krieg ohne Ende
Der Westen gibt sich gern als Moralinstanz für die gesamte Welt: Freiheit und Demokratie gebe es hier und schütze man überall. Vergessen werden dabei oft all die Völkerrechts- und Menschheitsverbrechen, denen er sich schuldig machte und stets aufs Neue macht: Die unheilvollen und überdies illegalen Kriege etwa, mit denen er die Welt seit Jahren überzieht. Die Tatsache, dass diese vermeintlich gerechten Kriege bereits jetzt hundertfach mehr Tote gefordert haben als alle Terroranschläge gegen „unsere“ Länder zusammen. Und auch die systematische Vernichtung der Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen durch den Einsatz von Uranmunition im Irak und nun auch in Syrien. Überhaupt scheint kaum bekannt zu sein, dass die großen Tragödien des Krieges in aller Regel noch Jahre und Jahrzehnte nach Kriegsende zu beobachten sind. Zu diesen sprach Jens Wernicke mit dem Schweizer Buch- und Filmautor Peter Jaeggi.
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Verschwörungstheoretiker!
Ein Gastbeitrag von Ullrich F. J. Mies
Verschwörungstheoretiker!, Antisemit!, Antiamerikaner! Querfrontler! All diese Diskurs-Totschagskeulen werden gezielt eingesetzt, um politische Bewegungen und politisch Aktive zu spalten, Organisationen zu zersetzen, Debatten unmöglich zu machen und den „Verschwörungstheoretiker“ „zu verbrennen“. Diese Strategie geht zu weiten Teilen auf. Auch viele Linke laufen in diese Falle.
Beschränken wir uns hier auf die Verschwörungsnummer. Der Begriff stammt von der CIA. In ihrem Dokument „Document 1035-960, Concerning Criticism of the Warren Report“ aus dem Jahr 1968 wurden alle Zweifler an der offiziellen Darstellung des Mordes an John F. Kennedy zu Vertretern einer „conspiracy theory“ und damit zu Spinnern erklärt: Ein genialer Schachzug des Dienstes.
In seinen Vorträgen zum Thema „Warum schweigen die Lämmer“ weist Prof. Rainer Mausfeld immer wieder darauf hin, dass der Begriff „Verschwörungstheoretiker“ in das Kampf-Arsenal der psychologischen Kriegsführung gehört. Die psychologische Kriegsführung ist ein Teil der Herrschaftstechniken. Das Wissen, wie man Massen beeinflusst und kontrolliert, haben sich die „Eliten“ seit mindestes 100 Jahren angeeignet und die Techniken ausgefeilt.
Geheimdienste beschäftigen in den (westlichen Staaten) hunderttausende von Menschen. Deren Hauptkampf-Feld ist je nach Aufgabenstellung der politische Gegner im Innern oder der „Feind- oder Zielstaat“ außen. Somit dient die gesamte „Verschwörungs-Debatte“ vor allem dazu,
– Meinungshegemonie herzustellen und
– vom „Herrschaftsdiskurs“ Abweichende,
als Irregeleitete, Diskussionsunwürdige, das „Staatswohl“ Schädigende, in jedem Fall Auszugrenzende darzustellen.
»Wir (William C. Sullivan, Exchef der CID, Counterintelligence Divison des FBI, K.P.) benutzten Cointelpro-Taktiken (Counterintelligence Programs, abgekürzt Cointelpro, K.P.), um eine Organisation auf unterschiedliche Weise zu spalten, zu kontrollieren und zu schwächen.« („Spalten und Schwächen“, Junge Welt, 28.07.2016, S. 12)
Um das Verschwörungs-Gerede zu verkomplizieren und ihm einen angemessenen Platz in der (politischen) Diskussion zu sichern, wurde es um die Begriffe Verschwörungsideologien, Verschwörungsmythen, Verschwörungshypothesen erweitert. Siehe hierzu der Eintrag „Verschwörungstheorie“ bei wikipedia.
Das ganze Verschwörungs-Gerede ist überflüssig, denn es führt erkenntnistheoretisch zu nichts. Erkenntnistheoretisch reicht eine ganz „normale“ wissenschaftliche Herangehensweise, um eine These als valide oder invalide zu identifizieren.
Was bleibt, ist der Dunkelraum der psychologischen Kampftechnik, abweichende Meinungen
– zu denunzieren,
– lächerlich zu machen,
– Akteure zu spalten,
– Diskussionen unmöglich zu machen,
– „Verschwörungstheoretiker“ abzustempeln, auszugrenzen,
– die Diskurs-Hegemonie zurückzugewinnen und zu behalten und vor allem
– den Widerstand gegen die herrschenden politischen Akteure zu zerfasern.
Die „Verschwörungs-Debatte“ ist eine gezielte Denunziations-/ Dominanzstrategie, um auch den Diskurs in politischen Szenen zu beherrschen, vor allem wenn es um das „Ekel-Thema“ 11/9 geht. Hier scheiden sich die Geister. Und so haben viele Politaktivisten Angst, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie befürchten, bei der Beschäftigung mit „der Mutter aller Kriege und aller Regierungsverbrechen nach 2001“, in ihren eigenen Gruppen „in offene Messer zu laufen“. Sie befürchten, „sich selbst abzuschießen“, wenn sie im Zusammenhang mit 11/9 von offenem Regierungs-Banditentum sprechen würden, denn der offizielle Bericht zu 11/9 weist massive Lücken und Mängel auf, die offiziellen Darstellungen sind nicht konsistent und durch Auslassungen gekennzeichnet. Offizielle Unterschlagungen und die offizielle Stigmatisierung derjenigen als „Verschwörungstheoretiker“, die sich mit 11/9 befassen, liegen auf einer Ebene: Die Debatten-Killer haben ihr Ziel erreicht.
Gemessen an den gigantischen Regierungsverbrechen wider die Menschheit und die Natur – von der Initiierung von Kriegen bis zur Planung des Ersteinsatzes von Atomwaffen, von Putschen bis „Farbrevolutionen“ – dient jede Beschäftigung mit Verschwörungstheorien und deren Derivaten als Ablenkung. Sie absorbiert Energien und ist Zeitverschwendung.
Diese Zeit fehlt zur Aufdeckung der ganz großen „Verschwörungsrealitäten“ der internationalen Kapitalistenklasse und ihrer Regierungs- und Medienhandlanger gegen die fundamentalen Lebensinteressen der Mehrheit der Völker auf diesem Planeten.




