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Desaster-Politik: Imperiale Neuordnung und Angstproduktion


Ein Gastbeitrag von Ullrich F. J. Mies

Im Krisenkapitalismus ist die Angst vor dem materiellen und sozialen Absturz für die meisten Menschen tägliche Realität. Ängste vor Terroranschlägen, Krieg, Umweltkatastrophen, Notstand und Chaos überschatten zusätzlich die allgemeinen Existenzsorgen. Die Mehrzahl der Ängste wird systematisch geschürt und ist Folge der imperialistischen westlichen Welt-Neuordnungspolitik.

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Die Anstalt vom 6. September 2016


Anschaubefehl!

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Die Anstalt vom 24. Mai 2016


Auch die Anstalt vom 24. Mai zitiert mal wieder aus einem meiner Interviews – diesmal Daniela Dahn, die unser Recht als „Scharia der Konzerne“ tituliert:

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Lebt – und wehrt Euch!


Theresa Sperling aus Bad Bentheim bei den Poetry Slam Landesmeisterschaften für Bremen und Niedersachsen:

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Der Neoliberalismus ist das geplante finale Ende der Demokratie


Was wurde aus dem Projekt „Aufklärung“? Der Neoliberalismus ist das von den Eliten geplante finale Ende der Demokratie.

Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld:

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Sarah Lesch: „Testament“


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TTIP-Ballade


TTIP ist ein sicherer tipp
für die großkonzerne

sie können klagen
auf entschädigung
falls streik oder gesetze
extraprofite schmälern

die schiedsgerichte
tagen streng geheim

TTIP ist ein sicherer tipp
für die investoren

privatisiert gesundheit
verhökern sie die bildung
das wasser die wohnung
den öffentlichen dienst

alles wird ware
das leben und der tod

TTIP ist ein sicherer tipp
für die unternehmer

die rechte der beschäftigten
sie werden ausgehöhlt
die löhne fallen
auf das mindestlohnniveau

das nennt sich arbeitsmarkt
das ist die ausbeutungsmaschine

TTIP ist ein looser-tipp
für die kollegen

sie werden unterdrückt
versklavt und ausgesogen
für hungerlöhne den strick
der altersarmut um die gurgel

die siege ihrer väter
schon verloren

TTIP ist ein looser-tipp
für menschenrechte

das internet wird überwacht
kein datenschutz
die buchpreisbindung abgeschafft
die kulturelle vielfalt überflüssig

kultur kann man sich schenken
in disneyland in hollywood

TTIP ist ein looser-tipp
für die verbraucher

gechlorte hähnchen
kommen auf den grill
zum essen gentechnisch
manipulierte lebensmittel

und guten appetit
wünscht uncle sam

TTIP ist ein looser-tipp
für konsumenten

öl kommt aus fracking
roboter bestäuben blüten
in der kosmetik nimmt man gift
in kauf und die versuchstierqualen

als freihandel beschlossen
wird aus dem unrecht recht

das bringt uns kriege
flüchtende und hunger
die erderhitzung
und der nordpol schmilzt

kein herrschender will frieden
in disneyland in hollywood
in dunkeldeutschland

(Rudolph Bauer)

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Die Gedanken sind frei


Der Gandayo Short „Die Gedanken sind frei“ bringt einen neuen Wind in das alte Volkslied. Gewaltfreier Widerstand einmal auf musikalischer Ebene.

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Der Neoliberalismus in der Psychotherapie


Klaus Ottomeyer von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt referiert unter dem Titel: „Der Neoliberalismus in der Psychotherapie … und wie man ihn bekämpfen kann“:

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Was traumatisierte Kinder uns über Leid, Liebe und Heilung lehren können


„Mama P. war eine große, kraftvolle Frau. Sie bewegte sich mit Zuversicht und Stärke. Sie trug ein weites Hawaiihemd in prächtigen Farben und ein Tuch um den Hals. Sie war wegen einem ihrer Pflegekinder zu einer ärztlichen Beratung gekommen. Es ging um den siebenjährigen Robert, der drei Jahre zuvor aus der Obhut seiner Mutter entfernt worden war. Sie war Prostituierte und während des gesamten Lebens ihres Sohnes kokain- und alkoholabhängig gewesen. Sie hatte den Jungen vernachlässigt und geschlagen. Er hatte miterlebt, wie seine Mutter von Freiern und Zuhältern geschlagen wurde, und wurde auch selbst von ihren Partnern terrorisiert und missbraucht. (….)
‚Was können Sie also tun, um meinem Baby zu helfen?‘, fragte sie. Dieser Satz fiel mir auf. Wieso nannte sie dieses siebenjährige Kind Baby? Ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte.
Ich empfahl Clonidin, das Medikament, das ich bei Sandy und bei den Jungen im Zentrum angewandt hatte. Sie unterbrauch mich leise, aber bestimmt: ‚Sie werden meinem Baby keine Medikamente geben.‘ (…)
Und dann ergab ich mich. ‚Mama P., wie helfen Sie ihm?‘, fragte ich. Weshalb hatte sie keine Probleme mit seinen ‚Wutanfällen‘, derentwegen er von früheren Pflegestellen und Schulen verwiesen worden war?
‚Ich halte ihn nur und schaukle ihn. Ich liebe ihn einfach. Wenn er nachts verängstigt aufwacht und durchs Haus läuft, lege ich ihn neben mich ins Bett, reibe ihm den Rücken und singe ein wenig, dann schläft er wieder ein.‘ Jetzt warf mir der Kollege verstohlene Blicke zu, deutlich beunruhigt: Siebenjährige sollten nicht in einem Bett mit ihren Betreuungspersonen schlafen. Aber ich war neugierig geworden und hörte weiter zu.
‚Was scheint ihn tagsüber zu beruhigen, wenn er sich aufregt?“, fragte ich.
‚Dasselbe. Ich lasse einfach alles stehen und halte ihn und schaukele ihn im Sessel. Dauert nicht so lange, armes Ding.‘
Als sie das sagte, erinnerte ich mich an ein wiederkehrendes Muster in Roberts Akte. In allen Aufzeichnungen über ihn, einschließlich denjenigen, die zuletzt von der Schule weitergeleitet worden waren, berichteten aufgebrachte Mitarbeiter von ihrer Frustration über sein Zuwiderhandeln und sein unreifes, ‚babyhaftes‘ Verhalten und beschwerten sich über seine Bedürftigkeit und Anhänglichkeit. Ich fragte Mama P.: ‚Werden Sie nie frustriert und wütend, wenn er sich so benimmt?‘
‚Werden Sie ungehalten mit einem Baby, wenn ein Baby Theater macht?‘, fragte sie. ‚Werden Sie nicht. Es ist das, was Babys tun. Babys geben ihr Bestes und wir verzeihen ihnen immer, wenn sie sich bekleckern, wenn sie schreien, wenn sie uns vollspucken.‘“

Aus: Bruce D. Perry: Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde: Was traumatisierte Kinder uns über Leid, Liebe und Heilung lehren können, Seite 123 ff.

„Als Mama P. die traumatisierten und vernachlässigten Kinder schaukelte und hielt, die in ihrer Obhut waren, hatte sie intuitiv das getan, was zur Grundlage unserer neurosequentiellen Methode wurde: Diese Kinder brauchen musterartige, sich wiederholende Erfahrungen, die ihren Entwicklungsbedürfnissen angemessen sind; Bedürfnisse, die das Alter widerspiegeln, in dem sie wichtige Reize entbehrt haben oder traumatisiert worden sind, nicht ihr aktuelles, chronologisches Alter. Wenn sie in einem Schaukelstuhl saß und mit einem Siebenjährigen kuschelte, schenkte sie ihm die Berührung und den Rhythmus, den er als Säugling vermisst hatte – eine Erfahrung, die für die angemessene Entwicklung des Gehirns erforderlich ist. Es ist ein grundlegendes Prinzip der Hirnentwicklung, dass neuronale Systeme sich aufeinander folgend organisieren und funktionsfähig werden. Überdies baut die Organisation von weniger reifen Regionen teilweise auf ankommenden Signalen auf tiefer gelegenen, reiferen Regionen auf. Wenn ein System nicht zum richtigen Zeitpunkt bekommt, was es braucht, funktionieren möglicherweise auch die von ihm abhängigen Systeme nicht gut. Das gilt auch dann, wenn die Reize, die die sich später entwickelnden Systeme brauchen, tatsächlich in angemessener Weise angeboten werden. Der Schlüssel zu gesunder Entwicklung liegt darin, die richtigen Erfahrungen in der richtigen Menge zur richtigen Zeit machen zu können.“

Aus: ebd., Seite 178

„Wenn ein Kind ein starkes und unterstützendes Umfeld hat, ist es besonders wichtig, mit den kindlichen Bewältigungsmechanismen achtsam umzugehen. In einer Studie, die wir Mitte der 90er Jahre durchgeführt haben, fanden wir heraus, dass Kinder mit unterstützenden Familien, die für die Bearbeitung eines Traumas zur Therapie geschickt wurden, mit höherer Wahrscheinlichkeit eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln als diejenigen, deren Eltern angewiesen wurden, mit den Kindern nur dann zur Therapie zu kommen, wenn sie spezielle Symptome beobachten. Die wöchentliche Therapiesitzung, in der die Kinder sich auf ihre Symptome konzentrierten, trug eher zu einer Verschlimmerung bei als zu ihrer Auflösung. Die Kinder dachten regelmäßig in den Tagen vor ihrer Therapiesitzung über ihr Trauma nach; jede Woche mussten die Kinder die Schule oder außerschulische Aktivitäten verlassen, um in die Klinik zur Therapie zu fahren. In manchen Fällen wurden sich Kinder ihrer normalen Stress-Reaktionen überbewusst und beobachteten jeden Pieps gang genau, damit sie etwas hatten, das sie dem Therapeuten erzählen konnten. Das brachte ihr Leben durcheinander und vergrößerte ihre Not eher, als sie zu verringern. Interessanterweise war eine Therapie jedoch hilfreich, wenn das Kind kein starkes soziales Netz hatte. Sie bot ihm wahrscheinlich die Möglichkeit, sich jemandem anzuvertrauen, die es sonst nicht hatte. Entscheidend ist, dass die Bedürfnisse von Menschen variieren und dass niemand dazu gedrängt werden sollte, ein Trauma zu bearbeiten, wenn er es nicht möchte. (…) So haben zum Beispiel manche Studien gezeigt, dass eine Depression sich verschlimmern kann, wenn man über vergangene negative Erlebnisse nachgrübelt. Aufgrund der Arbeitsweise des Gedächtnisses kann dieses Sinnieren auch dazu führen, dass man alte, mehrdeutigen Erinnerungen in einem neuen Licht abruft, das mit der Zeit dunkler und dunkler wird, bis sich darin schließlich ein Trauma zeigt, das in Wirklichkeit nie stattgefunden hat.“

Aus: ebd., Seite 210 ff.

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Wider den Gehorsam


Der Gehorsam ist aufs Tiefste in dem Prozess verwurzelt, der zur Entfremdung des Eigenen führt und dessen Kern die Unmöglichkeit bildet, die Eltern so wahrzunehmen, wie sie wirklich sind.
Dieses Problem äußert sich nicht nur im Verhältnis zu Mutter und Vater. Wir bilden uns heute viel darauf ein, rational zu sein. Tatsache ist jedoch, dass alltägliche Verleugnungen ’normaler‘ Bestandteil unserer Kultur sind. Der Wahrheit ins Auge zu blicken, fällt uns schwer. Wir sind gefangen in der Angst, zu sehen, was wirklich ist. Um dies zu erkennen, brauchen wir eine ganz andere Art von Psychopathologie als die heute übliche. Wir stufen diejenigen Menschen als normal ein, die sich einer allgemeinen Verleugnung anpassen und so in unserer Kultur erfolgreich operieren.
Zwei Forschungsprojekte, die sich dem Thema der Autonomieentwicklung widmen, zeigen ebenfalls, dass die Weichen zum Menschlichsein oder zur Entfremdung schon früh gestellt werden. Helen Bluvol und Ann Roskam führten Studien (…) an einem amerikanischen Gymnasium durch. Sie untersuchten zwei Gruppen von Schülern – eine, die äußerst erfolgreich war, sich gehorsam an Ambitionen der Eltern anpasste, und eine andere Gruppe, deren Leistung zwar als genügend eingestuft wurde, die sich aber nicht sonderlich für Erfolge interessierte und keinem Druck ausgesetzt war, den Erwartungen der Eltern zu entsprechen, also gehorsam zu sein. Die erste Gruppe zeichnete sich durch ein starkes Bedürfnis nach Bestätigung aus. Diese Schüler reagierten mit Angst, wenn sie den Eindruck hatten, von gängigen Verhaltensnormen abzuweichen. Diese Gruppe war auch unfähig, die Eltern als eigenständige, differenzierte Menschen wahrzunehmen. Diese Schüler neigten dazu, ihre Eltern, aber auch Autoritätspersonen wie ihre Lehrer zu idealisieren. Die Gruppe der wenig erfolgsorientierten Schüler dagegen beschrieb die Eltern als reale Persönlichkeiten mit guten und schlechten Seiten. Idealisierungen waren ihnen fremd.
Die erfolgsorientierten Schüler, die ihre Eltern verklärten, tendierten vehement dazu, ihre Mitschüler zu Unterlegenen zu machen. Nur dann empfanden sie sich als ‚autonom‘. Hier sehen wir die Auswirkungen des Gehorsams. Die Gruppe, die sich im Hinblick auf Erfolg und allgemeines ‚Wohlverhalten‘ den allgemein anerkannten Normen unterordnete und somit am stärksten im System elterlich-autoritärer Erwartungen gefangen war, fühlte sich unabhängig – und zwar dann, wenn sie andere schlechtmachen und herabsetzen konnte. Viele erleben also das Gefühl von Freiheit und Autonomie, wenn sie das Fremde im Anderen und damit unbewusst in sich selbst bestrafen.

Aus: Arno Gruen: Wider den Gehorsam

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Zwei Wölfe


Ein Jüngling kommt zu einem weisen, alten Schamanen und fragt diesen: „Sag mal, kannst Du mir sagen, was in uns Menschen, in unserem Inneren, in unserer Seele vor sich geht?“ „Mein Sohn, das ist so: Jeder Mensch trägt zwei Wölfe in sich; einer verkörpert das Gute, die Liebe, die Freude, die Güte, das Mitgefühl, die Hilfsbereitschaft, das Verzeihen; der andere verkörpert alles Schlechte und Üble in uns, den Neid, den Hass, die Gier, den Zorn, die Rücksichtslosigkeit. Diese beiden Wölfe in uns bekämpfen einander fortwährend.“ Darauf der Jüngling: „Schön und gut, aber wer gewinnt denn nun von beiden?“ „Es gewinnt der Wolf, den Du fütterst!“

Aus: Ed Watzke: „Wahrscheinlich hat diese Geschichte gar nichts mit Ihnen zu tun…“: Geschichten, Metaphern, Sprüche und Aphorismen in der Mediation

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Die 9-Kuh-Geschichte


Es waren einmal zwei Freunde, die sich einen Traum erfüllen wollten, nämlich mit einer kleinen Segelyacht die Erde zu umsegeln. Sie starteten guten Mutes und alles lief sehr gut. Von Zeit zu Zeit liefen sie Häfen oder kleinere Inseln an, um Wasser und Lebensmittel aufzunehmen. Als sie bereits viele Wochen unterwegs waren, kamen sie zu einem Eingeborenenstamm. Der Empfang und die Gastfreundlichkeit waren so grossartig, dass die beiden entschieden ein paar Tage Pause einzulegen und zu bleiben.
Einer der beiden Freunde wurde auf eine Frau aufmerksam und konnte seine Augen nicht wieder von ihr abwenden, schnell war klar, dass die Sympathie beidseitig war. Der Mann hatte nur noch die Frau im Kopf und schwärmte seinem Freund vor wie attraktiv und strahlend sie wäre, dass er nie eine schönere Frau gesehen hätte – er war völlig verrückt vor Liebe. Sein Freund versuchte, ihn auch auf andere, noch schönere und strahlendere Frauen aufmerksam zu machen, aber nichts funktionierte und schließlich beschloss der Verliebte, dieser Frau einen Heiratsantrag zu machen.
Nun war es bei dem Eingeborenenstamm üblich, den Häuptling um die Hand einer Frau aus dem Stamm zu bitten und den Brautpreis festzulegen. Je nach den Qualitäten der Frau (Aussehen, Kochkünste, Wissen im Bereich Heilung, Fähigkeiten bei der Jagd, gebärfreudiges Becken etc.) bewegte sich der Brautpreis zwischen einer Kuh für eine Frau mit wenigen Qualitäten und 9 Kühen für einen Frau mit maximalen Qualitäten – der perfekten Frau schlechthin. Noch nie hatte es in der Stammesgeschichte aber diesen Brautpreis für eine Frau gegeben.
Obwohl noch nie ein Fremder in den Stamm eingeheiratet hatte, willigte der Häuptling in die Hochzeit ein und legte den Brautpreis auf drei Kühe fest. Da sagte der Bräutigam: „Wie, nur drei Kühe, schau Dir diese Frau doch an. Sie ist auf jeden Fall 9 Kühe wert. Ich zahle 9 Kühe.“ Das irritierte den Häuptling und er erklärte, weshalb die Frau nur 3 Kühe wert sei: „Sie gehört nicht zu den schönsten im Dorf, ihr Jagdgeschick lässt sehr zu wünschen übrig und sie kann weder gut kochen noch ist sie sehr ordentlich.“
Doch der Werber blieb stur und sagte: „Ich zahle 9 Kühe.“ Der Häuptling war noch nie mit einer derartigen Situation konfrontiert worden und berief den Ältestenrat ein. Nach langen Diskussionen beschloss dieser, dass der Mann die 9 Kühe bezahlen dürfe.
Die Hochzeit war ein rauschendes Fest und am Tag danach segelte der Freund weiter, mit dem Versprechen, nach ein paar Jahren wieder zu Besuch zu kommen.
Wie versprochen legte fünf Jahre später eine Yacht am Steg des kleines Dorfes an und der Mann, der von Bord ging, war ganz aufgeregt, seinen Freund wiederzutreffen. Die erste Frau, die er sah, war eine unglaublich attraktive Frau, mit einem kleinen Kind auf dem Arm. So strahlend und schön, viel attraktiver als jede andere Frau, die er je zuvor gesehen hatte. Vor lauter Erfurcht traute er sich gar nicht, sie anzusprechen.
Er fand seinen Freund, der ihn unter Jubel willkommen hieß und ihm ein köstliches Essen vorsetzte. So gut hatte der Weltreisende noch nie gegessen. Das Fleisch war zart. Die Hütte war wohnlich eingerichtet, stilvoll und versprühte eine heimelige Atmosphäre. Der Freund erzählte, dass seine Frau die Königin der Jägerinnen seiund bald sein zweites Kind gebären würde. „Du hast sie ja schon gesehen“, sagte der Freund. „Unten am Steg.“ „Das war nicht deine Frau“, sagte der Segler. „Die Frau dort unten war die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“ Und während er das sagte, kam sie zur Hütte und er erkannte sie voller Staunen. „Was um alles in der Welt ist der Grund, dass Du dich so radikal verändert hast“, fragte er sie. Sie lächelte ihr liebreizendes Lächeln und antwortete: „Mein Mann hat 9 Kühe für mich bezahlt und behandelte mich jeden Tag unseres gemeinsames Lebens so großartig, wie es nur eine 9-Kuh-Frau verdient. Also konnte ich gar nicht anders als mich in eine 9-Kuh-Frau zu verwandeln. Genau in die Frau, die er immer in mir sah.“

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Spuren am Weg


Es war einmal ein Vater, der zwei Söhne hatte. Je älter und gebrechlicher er wurde, desto mehr dachte er über sein Leben nach. Und manchmal kamen ihm Zweifel, ob er seinen Söhnen wohl das Wichtigste für ihr Leben weitergegeben hatte.
Weil ihm diese Frage nicht losließ, beschloss der Vater seine Söhne mit einem besonderen Auftrag auf eine Reise zu schicken. Er ließ sie zu sich kommen und sagte: “Ich bin alt und gebrechlich geworden. Meine Spuren und Zeichen werden bald verblassen. Nun möchte ich, dass Ihr in die Welt hinaus geht und dort Eure ganz persönlichen Spuren und Zeichen hinterlasst.”
Die Söhne taten, wie ihnen geheißen und zogen hinaus in die Welt.
Der Ältere begann sogleich eifrig damit, Grasbüschel zusammenzubinden, Zeichen in Bäume zu schnitzen, Äste zu knicken und Löcher zu graben, um seinen Weg zu kennzeichnen.
Der jüngere Sohn jedoch sprach mit den Leuten, denen er begegnete, er ging in die Dörfer und feierte, tanzte und spielte mit den Bewohnern.
Da wurde der ältere Sohn zornig und dachte bei sich: “Ich arbeite die ganze Zeit und hinterlasse meine Zeichen, mein Bruder aber tut nichts.”
Nach einiger Zeit kehrten sie zum Vater zurück.
Der nahm dann gemeinsam mit seinen Söhnen seine letzte und beschwerliche Reise auf sich, um ihre Zeichen zu sehen.
Sie kamen zu den gebundenen Grasbüscheln. Der Wind hatte sie verweht und sie waren kaum noch zu erkennen. Die gekennzeichneten Bäume waren gefällt worden und die Löcher, die der ältere der beiden Söhne gegraben hatte, waren fast alle bereits wieder zugeschüttet.
Aber wo immer sie auf ihrer Reise hinkamen, liefen Kinder und Erwachsene auf den jüngeren Sohn zu und freuten sich, dass sie ihn wiedersahen und luden ihn zum Essen und zum Feiern ein.
Am Ende der Reise sagte der Vater zu seinen Söhnen: “Ihr habt beide versucht, meinen Auftrag, Zeichen zu setzen und Spuren zu hinterlassen, zu erfüllen. Du, mein älterer, hast viel geleistet und gearbeitet, aber deine Zeichen sind verblichen. Du, mein jüngerer, hast Zeichen und Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen. Diese bleiben und leben weiter.”

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Schicksal


Warum es Probleme gibt? Weil es echt ist.
Nur die Illusion funktioniert reibungslos. Wer sie wählt, hat – für eine Weile – keine Probleme. Außer der heimlichen Sehnsucht nach dem Echten.
Das Schicksal fällt nicht meteoritengleich vom Himmel. Es bietet sich an und will durch die Überwindung von Schwierigkeiten verdient werden.
Darin allein liegt Kühnheit, und wer sie wagt, gewinnt alles. Für immer.

Aus: Christopher von Greverode: Liebesschlaf: Gefühlte Gedanken

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