Seelisches...

Wege aus Depressionen und Angst


„Man kann einen Menschen nichts lehren,
man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“
(Galileo Galilei)

„Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund war für mich,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das Gesunden Egoismus,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.“
(Charlie Chaplin in „Als ich mich selbst zu lieben begann„)

Immer mehr Menschen entwickeln, gehäuft etwa ab der Mitte ihrer Lebensjahre, Ängste, Depressionen undoder andere „seelische Störungen“, wie es auf Neudeutsch so schön heißt.
Oft sind es Menschen, die schon immer sehr unruhig waren, Menschen, die sehr sensibel undoder aufmerksam undoder sehr besorgt und bemüht um andere waren.
Und immer – auch wenn die Betroffenen selbst es nicht mehr wissen oder nicht wahrhaben wollen – sind es Menschen, die in ihrer Kindheit Entbehrungen erleiden mussten, nie wirklich sichere Bindung und bedingungslose Akzeptanz erfahren durften; Menschen, denen schon früh Angst eingejagt wurde, welche sich in ihrem Körper und Habitus dann verfestigt und als Lebensmuster manifestiert hat.
Menschen, die so etwas wie „erlernte Hilflosigkeit“ ihr eigenen nennen, und zwar insofern, als dass sie nie gelernt haben, wirklich sich selbst und ihre Bedürfnisse zu fühlen; nie gelernt haben, dass sie und ihre Interessen richtig und wichtig und auch durchsetzbar sind.
Fabio Volo beschreibt das, dieses An-Sich-Selbst-Über-Jahre-Vorbeileben bis man es vielleicht eines Tages einmal bemerkt, bis man aufwacht und etwas hiergegen tut, in seinem Buch „Einfach losfahren“ sehr treffend, indem er Folgendes formuliert:

„Ich suchte nicht nach Veränderungen, sondern nach Beständigkeit. Meine Entscheidungen waren vollkommen von dieser Angst geprägt, und wer Angst hat, trifft nie Entscheidungen, die Ausdruck seiner Gefühle sind. Sie sollen einzig und allein die Angst in Schach halten und beruhigen. Ich wollte stets alles unter Kontrolle haben. Ich wollte steuerbare Situationen, auf der Arbeit, in Freundschaften, in Beziehungen.“

Auch ich habe über Jahre und Jahrzehnte so funktioniert, war mir meines goldenen Käfigs jedoch niemals bewusst. All der „weißen Flecken“, die es in meiner Wahrnehmung gab, sowie der Tatsache, dass viele – selbstschützende und -fördernde – Verhaltensoptionen von Beginn an ganz nicht erst denkbar waren, weil sie, versteckt hinter aller Angst sich durch allerlei Rationalisierungen dem Leben und der Option, wirklich gelebt zu werden, entzogen.
In meinem Gedicht „Inkognito“ habe ich das zu beschreiben versucht: Wie jemand tut und tut und immer denkt, in Freiheit zu handeln, bis er dann eines Tages, lange Zeit später erst, erkennt, dass diese Freiheit nicht viel mehr als die Wahl zwischen verschiedenen selbstschädigenden Verhaltensweisen, welche die alte, unbewusste Angst, einem aufnötigte, also eben keine Freiheit, sondern faktisch Gefangenschaft war.
Manfred Spitzer erklärt diese Zusammenhänge in einem Fernsehbeitrag dabei besser und klarer als sie die meisten Psychologen bis heute verstehen können undoder wollen:

Die Konsequenz aus dieser Perspektive lautet wie folgt: Reden, Denken oder gar Tabletten zu nehmen – all das nützt, wenn überhaupt, nur gegen die Symptome des Problems, nicht aber gegen das Problem selbst.
Wer wirklich frei sein will – und hier erinnere ich nur an Erich Fromms brillantes Werk “Die Furcht vor der Freiheit” –, der hat, das Spitzer’sche Bild der schwimmenden Ratten stellt es einleuchtend dar, nur eine Option: Zurück zum Anfang zu gehen, wieder zum Start, zum Ausgangspunkt – zurück auf Null.
Das meint: Langsamer werden, lange Zeit nichts mehr oder nur noch sehr wenig tun, und dann das Fühlen neu erlernen und all das zulassen, was hiermit verbunden – die Verhaltenstherapeuten sagen bspw. “Brückengefühle” hierzu – dann kommt.
Seinen Gefühlen und Impulsen – was man früher nie konnte und durfte und was daher neuronal auch noch gar nicht angelegt ist – vertrauen lernen und diesen dann folgen.
Lernen, lernen, lernen also – lernen, wie in Ruhe und ohne Stress und Druck und ohne Abtötung der Symptome, die den Weg aus der Problematik weisen, das Leben selbst einem aufzuzeigen beginnt: Hier geht es lang. Lerne, um im Bild zu bleiben, nun Schwimmen ohne diese alte Angst; und dann Laufen ohne sie. Lerne, dass Du selbst glücklich sein kannst und darfst – und erlaube Dir das.
Das ist ein langer, ein harter und ein schmerzhafter Weg. Aber wer „frei“ sein will, so wie ich, dem bleibt nur diese eine Option: Der muss Millimeter für Millimeter den goldenen Käfig der alten Angst verlassen und seine Handlungsspielräume allmählich erweitern hierbei.
Das ist es auch, was das Leben von uns erwartet, und bei dessen Nichterfüllung es uns sanktioniert: Es erwartet, dass wir uns entfalten, dass wir wachsen und gedeihen, dass wir immer größer, freier, bunter, tiefer, weiter und selbstständiger werden; und immer mehr „wir selbst“ – jender Mensch also, als der wir (eigentlich) gemeint gewesen sind.
Wer diesen Weg nicht gehen will, das beobachte ich leider allerorts, wer einfach „so weiter machen“ will oder muss, weil er seine eigene Not nicht in ihrer Gewordenheit zu ergründen und begreifen vermag, den ereilen mit den Jahren immer mehr seelische oder körperliche Leiden, den ereilen beispielsweise Tinnitus, Migräne, Krebs oder gar Multiple Sklerose, um nur einiges zu benennen.
Denn wer den goldenen Käfig der Angst nicht sukzessive „sprengt“, der lebt ein Leben, das nicht das seine ist – eines, in dem es keine wirkliche Wahl gen und Entwicklung hin zu wirklichem Wachstum und echter, freier Entwicklung gibt; und damit lebt er ein Leben, dass lebensfeindlich ist, und dies auch mit allen ihm möglichen Symptomen auszurücken und ihn somit auf „den Weg der Tugend“, nämlich „zu sich selber“, zurückzuzwingen versucht.
Vergessen wir die Ärzte und Psychologen, die meinen, wir hätten eine unheilbare „Stoffwechselkrankheit“ undoder müssten uns halt mit oder in unserem Leiden (nur) zu arrangieren lernen. Wahr ist: Diese „Stoffwechselkrankheit“ ist eine durch frühe, traumatische Erfahrungen organisierte neuronale Struktur, die uns früher half, am Leben zu bleiben, und der wir heute „beizubringen“ vermögen, dass sie, so, wie sie ist, nicht mehr sinnvoll und notwendig ist.
Daher: Lernen wir um, verändern wir „unser Gehirn“. Auf in die Freiheit, denn dorthin weht der Wind!
Kaum ein Mächtiger hat Interesse daran, dass es mehr und mehr Menschen gibt, die „Nein!“ sagen können, die sich trauen, sie selbst zu sein, die fühlen können und noch Mitgefühl haben; die sich selbst schützen und aus dieser starken Position heraus dann für andere stark sind. Kein Mächtiger hat Interesse hieran – aber wir, WIR haben es! Machen wir uns also auf den Weg…:

„Vergiß die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, mißachte das Unglück, zerlach den Konflikt. Beweg dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird“, heißt es diesbezüglich bei Handke so treffend wie schön.

Lesetipps:

– Frankfurter Rundschau vom 1. November 2012: Schule: Angst vor Mathe kann schmerzen
– Gerald Hüther, Uli Hauser: Jedes Kind ist hoch begabt: Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen

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Brief an eine Freundin


„Und wenn wir nur unser Leben nach jenem Grundsatz einrichten, der uns rät, daß wir uns immer an das Schwere halten müssen, so wird das, welches uns jetzt noch als das Fremdeste erscheint, unser Vertrautestes und Treuestes werden. Wie sollten wir jener alten Mythen vergessen können, die am Anfange aller Völker stehen, der Mythen von den Drachen, die sich im äußersten Augenblick in Prinzessinnen verwandeln; vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.“

Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter

Ich habe viele Monster in mir.
Aber eigentlich sind es gar keine.
Es sind getarnte Ängste.
Sie haben sich in Monsterkostümen versteckt.
Und sehen manchmal lustig, oft jedoch bedrohlich aus hierin.

Zwei Monster sind die Eltern der anderen:
Das Verlustangst-Monster.
Und das Fremdbestimmtwerdenangst-Monster.
Die Monster sind alt und der Ursprung aller anderen Angst.
Sie waren einst Freunde.
Sie haben mich gerettet, indem sie Nähe zu meiner Mutter verhindert haben.
Immer, wo es wirkliche Nähe hätte geben können zu ihr, drohte große Gefahr.
Sie hat mich abgewertet und manipuliert. Sie hat mich klein gemacht.
Hieraufhin wurde das Fremdbestimmtwerdenangst-Monster geboren.
Es will mich davor beschützen, dass ich jemandem, den ich liebe, wirklich vertraue.
Denn er könnte mich manipulieren. Mein Wesen brechen. Mich auffressen. Verschlingen.
Meint das Monster. Und früher war es so. Heute nicht mehr.
Auf der anderen Seite hat meine Mutter mir immer Schuld und Verantwortung zugeschoben.
Sie hat mich bedroht.
Wenn ich mich nicht anpasste, würde sie mich verlassen.
Oder ganz furchtbar leiden.
Aber auch dann wäre ich allein.
Ohne Mutter.
Oder sie würde mich abschieben. Ins Heim.
Das war große Gefahr.
Hieraufhin wurde das Verlustangst-Monster geboren.
Es will mich beschützen, Menschen zu verlieren.
Leider bringt es mich immer wieder dazu, mich selbst aufzugeben und zu negieren.
Es denkt nämlich auch heute noch, wenn ich jemanden verlöre, könnte ich sterben.
Und so brachte es mich in der Vergangenheit oft dazu, mich dauerhaft an Leute zu binden, die mir schadeten.
Denn sie zu verlassen, so flüsterte das Monster in mein Ohr, wäre lieblos, ja, eine Art „Mord“.

Oje.
Oje, oje, oje.
Diese Monster.
Einst Freunde und heute Problem.
Sie verhindern wirkliche Nähe.
Verhindern, dass ich meine Schwächen lebe und liebe.
Dass ich so sehr vertraue, dass ich mich wirklich zu zeigen und öffnen vermag.
Verhindern, dass ich mich abgrenze, nein sage, dass ich mich durchsetze.
Und auch heute noch handeln sie aus Liebe.
Das verleiht mir die Hoffnung, eines Tages mit ihnen Frieden schließen zu können.
Wenn ich ihnen endlich Raum gebe, sie zu verstehen beginne, ihnen die Hand reiche.
Ich hoffe, auch mit ihren ganzen Kindern eines Tages Frieden schließen zu können.
Denn da sind einige.

Da ist bspw. das Schuldangst-Monster.
Wenn es wem, den ich mag, schlecht geht oder er reagiert auf mich negativ, bin immer ich schuld.
Wie einst.
Das macht mir höllische Angst.
Ich denke dann, ich sei eine Art Mörder.
Dabei sind andere verletzt, weil ihre Monster ihnen schaden.
Und habe ich selbst noch nie in meinem ganzen Leben jemanden wirklich „verletzt“.
Ich denke nur immer, das ich dies täte.
Aber das ist falsch.

Und da ist auch noch – neben anderen – das Wenigerwertalsandereseinangst-Monster.
Das sorgt bspw. dafür, dass ich, wenn Du wächst, wenn Du Erfolge erringst und Ziele erreichst, mich hierfür hasse, weil es mir dann einredet, jetzt sei ich „weniger wert“ als Du weil anders und schlechter und überhaupt.
Das ist eigentlich eines der schlimmsten Monster.
Weil es in Folge dazu verleiten kann, bewusst oder unbewusst anderen ihr Wachstum zu vereiteln oder vereiteln zu wollen.
Denn: Wenn sie wachsen, fühle ich mich ja klein.
Es ist daher auch ein Anti-Liebe-Monster.
Und wenn man das erkannt hat, hat man auch schon erkannt, was zum Frieden mit ihm verhilft:
Liebe nämlich.
Und die Erkenntnis: Wenn Du wächst, ist das richtig für Dich – und macht mich nicht weniger wert.
Sogar im Gegenteil: Umso besser es Dir (und anderen Menschen in meiner Nähe, die ich liebe) geht, umso eher wachse auch ich selbst.
Wachse mit Dir und Euch „mit“.
Und darum geht es:
Wachsen und größer werden.
Mich hat grad Dein Erfolg mit dem Joggen in eine kurze Selbstabwertungsspirale geführt.
Boah! Wie pervers ist das denn?
Ich bin so froh, dass ich das inzwischen mehr und mehr verstehe und auch präzise fühle.
Weil ich durch diese „Bewusstheit“ endlich gegenzusteuern vermag.
Und daran arbeiten kann, weder mich noch andere auf- oder abzuwerten.
Groß- oder Kleinzumachen.
Und woher auch das?
Aus dem „Du bist niemals gut genug für unsere Liebe“ der ersten Bezugspersonen.

Das ist dann auch schon gleich eine weitere und fast die letzte Erkenntnis hierzu:
Ja, hinter allen Monstern steckt die Angst.
Es sind Ängste, die sich Monsterkostüme angezogen haben.
Aber, und das ist der Clou: Hinter der Angst steckt … Liebe.
Falsch verstandene, frühe, abhängige, wehrlose Liebe.
Liebe, die, um die Mutter zu retten, mich selbst zu opfern bereit war.
Liebe, die mich abwertete, um die Mutter groß und ihren Selbstwert damit stabil zu belassen.
Liebe, die mich dazu brachte, mich anzupassen, bis ich fast draufging, damit die Mutter, die ich so sehr liebte, mich auf keinen Fall verlässt.
Usw. usf.

Und da schließt sich der Kreis:
Es gibt genau zwei Motive im Leben, aus denen heraus Menschen handeln:
Liebe und Angst.
Die Liebe ist das, woran Du erkennst, wer und von welchem Wesen Du bist, was und wer Dich glücklich macht.
Und die Angst ist das, woran Du erkennst, wer Du noch nicht bist, aber werden sollst.
Und umso mehr Du jener wirst, der Du noch nicht bist, umso mehr Du Dich Deiner Angst stellst, umso mehr erkennst Du:
Dass die Angst stets nur falsch verstandene Liebe ist.
Dass Du dort, wo Du sie überwindest, neue Räume in Deiner Seele findest bzw. schaffst.
Dass hinter der Angst schließlich noch mehr Liebe entsteht.
Wirkliche Liebe diesmal.
Liebe in Freiheit und voller Selbstrespekt.
Und dann wirst Du weiter und tiefer … und schließlich: frei.
Ja, umso mehr wir wir selbst werden, umso mehr Liebe und umso weniger Angst wohnt uns inne, denn dann erkennen wir die Zusammenhänge hinter allem und „verstehen“.
Ein weitaus klügerer Mensch als ich hat das einmal so beschrieben:

Wer nichts weiß, liebt nichts.
Wer nichts tun kann, versteht nichts.
Wer nichts versteht, ist nichts wert.
Aber wer versteht,
der liebt, bemerkt und sieht auch…
Je mehr Erkenntnis einem Ding innewohnt,
desto größer ist die Liebe…
Wer meint, alle Früchte
würden gleichzeitig mit den Erdbeeren reif,
versteht nichts von den Trauben.
(Paracelsus)

Ein anderer beschreibt es so:

Drum meine ich:
Liebe und verstehe Deine Monster.
Dann liebst und verstehst Du auch Deine Angst.
Und liebst und verstehst schließlich … Dich selbst.
Gesund. Vor allem aber: frei.

PS: Liebe macht stark!

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Kritik der Psychologie


„Vor kurzem sagte mir eine Frau einmal: Ich gehe mit meinem Mann auf die Straße und ich sage zu ihm: Die Schneeglöckchen sind traurig. Und dann sagt er zu mir: Was Du schon wieder hast, die wachsen da. Dann gab es Streit. Drei Wochen danach kam die Frau in Psychotherapie und später in die Psychiatrie. Sie hatte ein letztes Mal den Versuch unternommen, ihrem Mann zu sagen, wie sie sich fühlt. Sie hat nie gelernt, Gefühle mitzuteilen. Hätte sie es gekonnt, würde sie gesagt haben: Ich bin wie eine blühende Blume, voller Schönheit, voller Lebensmöglichkeiten, aber es liegt auf mir wie gefrorene Tränen. Und der Grund aller Kälte bist Du, mein Mann, der kein einziges Gefühl versteht. Dieser Mann ist ein ordentlicher Bürger, er tut täglich seine Pflicht, er ist im Pfarrgemeinderat, ein unbescholtener Christ, eine Seele von Mensch, ein Muster der Verantwortung, ein Herr Karenin par excellence. Aber noch wie er reagiert und seine Frau zurechtweist, bestätigt er genau das, was sie andeutet: Die wachsen da, heißt so viel wie: Halt das Maul. Fang nicht schon wieder an. 2 x 2 = 4, Blumen sind nicht traurig und Du hast kein Recht, traurig zu sein. Erstens bist Du keine Blume und zweitens mache ich alles richtig. […] Es gibt zur Beglückung der Menschheit [hingegen] nichts Besseres, als dass Sie sich selber erlauben, ein bisschen glücklicher zu werden. Und dafür sind […] Gefühle notwendig.“

(Eugen Drewermann am 18.12.1996 in der Gethsemanekirche, Berlin)

„Die Kranken, das sind die Gesunden. Und die Gesunden, das sind in Wirklichkeit die Kranken.“

(Erich Fromm)

Ich trage große Wut in mir. Es ist schwer, das zu erklären, aber ich will es versuchen: Ich habe in den letzten Monaten ziemlich viele Bücher gelesen, ziemlich viel erlebt, ziemlich viel Elend gesehen und ziemlich viele Psychologen erlebt, wie sie sich dieses Elends annahmen bzw. anzunehmen meinten. Leider nur, so muss ich sagen: in der Regel auf eher fragwürdige Art und Weise. Und das macht mich wütend.

Warum dem so ist, will ich im Folgenden kurz skizzieren. Anhand einiger Beispiele, die deutlich machen sollen, warum vieles an vermeintlicher „Hilfe“ wohl eher schadet als nützt.

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Versuch über Angst und Depression


„Wir haben viele Zweifel, ob es richtig ist, den Weg zu uns einzuschlagen, denn im Grunde fürchten wir uns vor uns selbst. In diesem Dilemma scheint es hilfreich, sich einen Satz meines Lehrtherapeuten Sylvester Walch zu vergegenwärtigen: ‚Unsere Gefühle können uns nicht umbringen, höchstens das, was wir gegen sie unternehmen.‘ Gemeint sind alle Mechanismen, die dazu beitragen, dass wir nicht spüren, was wir fühlen und nicht merken, was wir brauchen.“

Bärbel Wardetzki: Weiblicher Narzissmus, S. 221

„Nur wer sich der Einstellung öffnet, dass Not und Leiden ein Weg zur Heilung sind, den wird auch in Zeiten der Verzweiflung die Zuversicht nicht verlassen.“

Robin Norwood

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Sublimierung


Dunkler Grund
(Eva Strittmatter)

Immer von neuem entsteht die Frage:
Was sollen wir tun?
Es gibt täuschende Tage,
Da scheinen wir in uns, gesichert, zu ruhn.
Wir kennen den Weg und wissen die Wahrheit.
Und die Erde ist ein für allemal rund.
Doch hinter der scheinbar äußersten Klarheit
gibt es noch einen dunkleren Grund.
Und Zweifel sind möglich und finden uns wieder,
wenn wir endlich mit uns im reineren waren.
Und so kann es geschehn: unsre süßesten Lieder
sind gepreßt aus unseren bittersten Jahren.

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