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Der Terror von Paris und die globale Gewaltspirale


Die Morde von Paris haben umgehend nicht nur zu massenweise politischer Instrumentalisierung der Toten, sondern auch zu einem neuen „kollektiven Selbstverständnis“ geführt, das die Gefahr mit sich bringt, „die Barbarei“ im Sinne eines neuen Feindbildes vor allem „im Außen“ und bei „den anderen“ zu verorten, die eigene hingegen zu verschleiern und mehr denn je zu übersehen. Und auch die eigentlichen gesellschaftlichen Konfliktlinien und Sollbruchstellen – beispielsweise eben jene zwischen „Oben“ und „Unten“ – geraten ob dieses neu testierten „Wirs“ rasch aus dem Blick. Dabei stellt ein Nein dazu, sich mit dem Kollektiv aus Angela Merkel, Jens Stoltenberg, Matthias Döpfner, Benjamin Netanjahu, Ahmet Davutoglu und anderen solcher Art zu assoziieren, eben keine Absage an den Kampf gegen Armut, Gewalt und Terror dar, sondern wäre faktisch der erste Schritt hin zur Erkenntnis, die einen wirklichen Kampf hiergegen überhaupt erst möglich macht. Zu den Hintergründen der Morde in Paris sowie zur „Barbarei der Zivilisierten“ sprach Jens Wernicke mit Daniele Ganser.

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Islamfeindliche Anhörung im Hessischen Landtag „betreffend Gefahren durch radikalen Islamismus begegnen – gemeinsames gesellschaftliches Signal setzen“


Eine Analyse und Gegenrede von Jens Wernicke

Die zum Thema „Islamismus / Salafismus“ für den 22. Januar diesen Jahres geplante Anhörung im Hessischen Landtag erweckt aus gleich mehreren Gründen den Eindruck, voreingenommen und nicht an wirklichen Lösungen für die Probleme unserer Zeit interessiert zu sein.

Die zwei wichtigsten Gründe hierfür sind:

1. Im mehrseitigen Text der FDP-Fraktion definiert diese erst das Setting, zudem unter anderem die Unterstellung einer immensen Gefahrenlage gehört, um dann hiernach – vermeintlich offen – zu fragen, was Salafismus wohl sei. Hierbei handelt es sich um ein mehrfach manipulatives Vorgehen : Erstens wird zuerst „der Salafismus“ als große Bedrohung skizziert und hiernach dann gefragt, was Salafismus eigentlich sei. Zweitens wird diese pseudo-offene Fragen in den großen Raum der hessischen Zivilgesellschaft geworfen, die weitüberwiegend wohl weder von Religion noch von Terrorismus und Fundamentalismus in wissenschaftlichem Sinne Ahnung hat. Was hiermit erreicht werden wird, ist von vorn herein evident: Viele verschiedene zivilgesellschaftliche Akteure werden „den Salafismus“ als „großes Problem und Bedrohung“ skizzieren und hierbei den in dieser Debatte von Beginn an mitschwingenden kulturellen Rassismus weiter forcieren und salonfähig machen. Hier werden Menschen nicht nur per se über einen Kamm geschert und, wie die Rassismusforschung dies nennt, „homogenisiert“, hier wird schlicht fälschlicherweise das Vorhandensein „der Muslime“, „des Islam“ und „des Salafismus“ konstatiert und pauschal wie menschenfeindlich wie unseriöse agiert.

2. Es wird – und das ist in den aktuellen medialen wie politischen Debatten inzwischen leider üblich – das Kind zudem mit dem Bade ausgeschüttet, indem das Thema von der falschen Seite her angegangen wird: Salafismus bedeutet dem Wortsinne nach nicht viel mehr als „Konservatismus“, wie Prof. Prof. Abdurrahim Kozal in einem einschlägigen Fachartikel zum Thema skizziert:

„In den klassischen Wörterbüchern wie Lisān al- ͑Arab, al-Qāmūs al-Muḥīṭ findet man für „Salaf“ die wörtliche Bedeutung „Wegbereiter, Vorgänger“. Obwohl der Begriff in den tradierten islamischen Wissenschaften sehr häufig vorkommt, kann man nähere Erläuterung, vermutlich wegen seines Bekanntheitsgrades, nicht antreffen. Demzufolge wird die erste Generation nach dem Propheten Muhammad, bestehend aus den Sahaba und Tabiun, als „Salaf (as-salaf aṣ-Ṣāliḥūn)“ bezeichnet. Ferner wurden die Begründer der religiösen, moralischen und rechtlichen Schulen, wie auch seine Schüler, als „Salaf“ benannt. Beispielsweise sind Abū Ḥanīfa (150/767) und seine ersten Schüler Abū Yūsuf (182/798) und Šaibānī (189/805) die ersten „Salaf“ der hanafitischen Rechtsschule. In Anbetracht der Lobung der ersten drei Generationen seitens des Propheten in den Hadith-Überlieferungen, haben die „Salaf“ im Islam eine besondere Stellung.“

Über „den Salafismus“ zu sprechen, ist daher nicht nur in etwa so hilfreich wie über „das Christentum“ zu sprechen (hier entsprechen „die Amischen“ in etwa dem, was „die Salafisten“ im Islam sind); es verkehrt vor allem auch Ursache und Wirkung. Zur Erklärung: Vor 20 Jahren fand der palästinensische Widerstand gegen das israelische Besatzungsregime noch „unter der Fahne der PLO“ und also politisch und parteipolitisch begründet statt; inzwischen hat (auch) dieser Begründungszusammenhang gewechselt und wird derselbe Kampf wie einst – bei dem es um sozioökonomische, politische, territoriale und geopolitische Auseinandersetzungen geht – religiös begründet; der Kampf findet nun vorwiegend „im Namen des Islam“ statt. Fakt ist jedoch, dass dies bei derlei „Erklärungen“ lediglich um Legitimationsmuster handelt, sie sich im Zeitverlaufe ändern und anpassen und vor allem dazu dienen, „mehrheitsfähig“ zu sein. Wer nun also – ob in Bezug auf Palästina, Deutschland oder andernorts – einfach über diese Selbsterklärungsversuche und Legitimationsmuster spricht, der übersieht den materiellen Kern der eigentlichen Auseinandersetzung und verschleiert und eskaliert hierdurch mit. Fakt ist, dass sich seit rund 20 Jahren weltweit eine „Radikalisierung“ in fast allen kulturellen, sozialen und religiösen Zusammenhängen offenbart, für welche die Religion eben nicht den Grund, sondern lediglich falschen Erklärungs- und Bearbeitungsversuch darstellt. Die sozialen Verwerfungen und Proteste nehmen in Zeiten andauernder systemisch-kapitalistischer Krise weltweit zu. Diese Proteste werden üblicherweise nicht als das gesehen, was sie sind, nämlich wohl Ausdruck vor allem sozioökonomischer Not, sondern als „religiöser Wahn“, „Extremismus“ und anderes abgetan. Hierdurch wird vermieden, was einzig sinnvoll wie zielführend wäre und ist: die notwendige Auseinandersetzung mit den Gründen für die globale „Radikalisierung“ von immer mehr „Selbsterklärungsmustern“ und Lebenszusammenhängen. Im Interview mit dem Online-Magazin Telepolis erklärt der Friedensforscher Prof. Werner Ruf hierzu:

„Wir beobachten derzeit, dass „die Verdammten dieser Erde“, wie Frantz Fanon sie vor sechzig Jahren nannte, aufstehen, protestieren und nicht mehr bereit sind, sich mit ihren elenden Lebensbedingungen abzufinden. Wir beobachten, wie Menschen, denen ihr Leben nichts mehr wert ist, diesem in Selbstmorden ein Ende setzen, es – zum weit größeren Teil – auf der Flucht, etwa über das Mittelmeer, aufs Spiel setzen oder Risiken bei Massendemonstrationen gegen die elenden Verhältnisse, denen sie ausgesetzt sind, eingehen, ganz einfach, weil ihnen ihr Leben ohne Perspektive ohnehin als sinnlos erscheint. (…)
Die genannten Entwicklungen sind tatsächlich weltweit zu beobachten – und haben auch nicht erst mit der viel beachteten Arabellion begonnen, sondern bereits lange zuvor in Spanien. Die Ursache ist dabei stets dieselbe: Die Durchsetzung des Neo-Liberalismus führt weltweit zu immer mehr Armut, Elend und Perspektivlosigkeit. In den Ländern am Nordrand des Mittelmeerraums ist die Hoffnungslosigkeit dabei kaum geringer als in den südlichen arabischen Nachbarstaaten. Die dortigen Forderungen nach einem Leben in Würde zielten dabei auch keineswegs, wie es gern dargestellt wird, einzig auf mehr politische Freiheiten, sondern tatsächlich vor allem auf die Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen für breite Bevölkerungsteile ab. Also auf Ernährung, Gesundheit, bezahlbaren Wohnraum, Bildung etc.
Es ist inzwischen schlicht unerträglich geworden, dass auf der einen Seite etwa 500 Familien die Hälfte des Vermögens auf unserem Planeten besitzen, und auf der anderen Seite die Hälfte der Weltbevölkerung von weniger als zwei US-Dollar am Tag leben muss, alle zehn Sekunden ein Kind an Hunger stirbt und die Lebenswelt, in der der überwiegende Teil der Menschheit lebt, zutreffend als „kannibalische Ordnung“ klassifiziert werden muss, wie das der Soziologe Jean Ziegler unlängst tat.
Diese Ordnung, dieser zunehmende Konflikt zwischen den wenigen, die immer reicher werden, und jenen, denen zunehmend das Nötigste zum Leben fehlt, findet ihren Ausdruck beispielsweise darin, dass die jüngste Hungersnot in Somalia zwar Tausende von Leben kostete und zugleich die Getreidepreise an den Börsen auf das Drei- bis Vierfache emporschnellen ließ… Diese Spekulation auf Hunger verdeutlicht exemplarisch, wie die Not der Vielen den Reichtum der Wenigen organisiert und auch erst möglich macht.“

Eine Debatte um „die Muslime“, „den Islam“ oder „den Salafismus“ macht daher keinerlei Sinn, weil sie nur den falschen Erklärungszusammenhang stärkt, weiter an strukturell rassistischen Feindbildern arbeitet (diese also weiter ausbaut und damit auch die „Radikalisierung“ der Gegenseite weiter forciert) sowie vor allem, weil sie die eigentliche Debatte vermeidet und das zu Besprechende außerhalb seiner Geschichte und seines Kontextes zu diskutieren versucht. Worüber stattdessen gesprochen werden müsste, das wären die weltweiten sozialen Verwerfungen und die Zunahme an Armut und soziokönomischen, territorialen, nationalen, geopolitischen und anderen Konflikten weltweit. Sowie auch und vor allem die durch diese hervorgerufene „Radikalisierung“ auf allen Seiten und bei allen Akteuren.
Ob „die Salafisten“ nun – ihre eigentlichen Motive verschleiernd – in der Arabischen Welt vermeintlich der Religion willen aktuell Menschen enthaupten oder „der Westen“ – seine eigenen Motive verschleiernd – vermeintlich „um der Menschenrechte willen“ völkerrechtswidrige Kriege (Irak, Jugoslawien etc. pp.) und hierbei hunderttausende Menschen „zivilisiert“ und „aus Notwehr“, wie man uns glauben machen mag, tötet oder extralegal in geheimen Foltergefängnissen wider unantastbares Menschenrecht – das zugrundeliegende „Phänomen“ ist in beiden Fällen dasselbe: aus von der eigenen Bevölkerung und „Peer-Group“ noch am ehesten nachvollziehbaren vermeintlichen und zudem vermeintlich alternativlosen Gründen wird die zivilisatorische Decke mehr und mehr abgeschmolzen und der Weg in die Barbarei beschritte. Auch die Religion ist dabei auf „beiden Seiten“ übrigens sehr beliebt, um die nächsten Schritte „in die Barbarei“ zu rechtfertigen und legitimieren (und die eigentlichen Wurzeln der jeweiligen Auseinandersetzungen hierdurch zu verschleiern). Der Westen bedient sich hierbei übrigens keineswegs minder vermeintlich „göttlicher“ oder „religiöser“ Legitimationsfiguren als Begründungsmuster für Krieg und Gewalt – und ist insofern auch auf diesem Gebiet als nicht minder „radikalisiert“ als andere zu verstehen. So erklärte beispielsweise der ehemalige US-Präsident Bush den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak damals mit einem unmittelbaren Auftrag, den Gott im erteilt habe.
Anzumerken ist überdies: Die in Deutschland wie andernorts orientierte Gleichsetzung von Terrorismus und Islam/Salafismus ist mit dafür verantwortlich, dass sich einige wenige Muslime weltweit radikalisieren; die permanente Gleichsetzung und hiermit Stigmatisierung ihrer Religion hat – jenseits anderer Beweggründe – folgelogisch einen weiteren Rückzug, eine weitere „Rückbesinnung“ auf die eigene kulturell-religiöse Identität zur Folge. Dass die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sich dabei mehr und mehr „vom Islam“ bedroht fühlen, hat dabei vor allem mit der andauernden medialen Hetze, Gleichsetzung und Feindbildkonstruktion im Lande zu tun denn mit einer wirklichen Bedrohungslage im Land (es ist deutlich wahrscheinlicher, in Deutschland Opfer eines Blitzschlages denn Opfer eines Terroranschlages zu werden – wer aber redet über „Blitzschlagprävention“?):

Einige Beispiele für die Hetze und Polarisierung
dieses pseudo-religiösen Konfliktes durch deutsche Medien und Politik

PEGIDA fiel nicht vom Himmel. Teile der Eliten und Medien arbeiten seit einigen Jahren gezielt auf die Anstachelung von religiösen Konflikten in unserer Gesellschaft hin. Der „Kampf der Kulturen“ ist von oben gewollt! „Teile und Herrsche“: das ist deren Devise in Zeiten der Krise, wo immer Menschen beginnen das bestehende System infrage zu stellen.

Mittels diesen Umganges forciert „der Westen“ regelrecht eine weitere Eskalation und Radikalisierung auf beiden Seiten, verschleiert hinter dem neuen Feindbild, das nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes ausbaut und verstärkt ins Spiel gebracht wurde, jedoch auch und vor allem die eigenen Motive und Interesse in diesem keineswegs religiös motivierten Konflikt.
Diese bestehen dabei, wie die Rassismusforscherin Iman Attia prägnant herausgearbeitet hat, insbesondere darin, in Zeiten zunehmender nationaler und geopolitischer Konflikte und Konkurrenz über die „Abgrenzung“ nach außen wie innen die eigene national Identität zu revitalisieren und sich hierbei der deutschen Geschichte sowie der aus dieser resultierenden Verantwortung für Frieden in der Welt zu entledigen. Aber auch, darin, Privilegien gegenüber anderen (reiche Länder vs. arme Länder; der globale Norden vs. den globalen Süden) zu verteidigen sowie den sozialen Verwerfungen auch und insbesondere hierzulande (immer mehr Menschen leben in immer größer werdender Armut und sind von dieser bedroht) eine Projektionsfläche anzubieten, um einzelne gesellschaftliche Milieus gegeneinander aufzubringen und hierdurch das Eigentliche nicht Thema werden zu lassen: den Kampf „Arm gegen Reich“, zu dem Warren Buffet, der drittreichste Mann der Welt kürzlich erklärte:

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.”

Abschließend soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass ebenfalls der rechte Terror im Land, zuletzt in Aktion getreten in Form und Gestalt des so genannten „NSU“, ohne die vermeintliche „Präventionsarbeit“ der deutschen Inlandsgeheimdienste („Verfassungsschutz“ und andere) wohl niemals hätte radikalisieren, finanzieren und verbreiten können. Seine Strukturen wurden weitgehend über „Ko-Finanzierung“ über Bande weil vermittels V-Leute überhaupt erst realisiert.. Es wäre insofern fatal, um Zuge der Debatte um „den radikalen Islam“ nun ggf. ebenfalls – und wie dies die Landtagdrucksache nahelegt – auf derlei Maßnahmen von Bespitzelung und Unterwanderung im Gewandte so genannter „Prävention“ zu setzen. Was not tut, sind soziale Reformen im Land – und ist überdies auch und vor allen der Respekt gegenüber jeder Religion und ein Ende der Dämonisierung des Islams.

Weiterlesen:

Artikel: Mapped: Every Protest on the Planet Since 1979
Artikel: Datenkritik und eine Animation weltweiter Proteste

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Wie antisemitisch ist die Linke?


Eine bisher nicht in Gänze veröffentlichte, in einigen Monaten jedoch wohl unter dem Titel „Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee. Eine Spurensuche“ als Buch erscheinende Serie von Studien des inzwischen emeritierten Professors für Psychologische Methodenlehre und Friedensforschung an der Universität Konstanz Wilhelm Kempf ging unter anderem der Frage des „linken Antisemitismus“ nach und förderte hierbei Erstaunliches zutage. Jens Wernicke sprach hierzu mit Rolf Verleger, der Kempfs von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstütztes Projekt als Berater wissenschaftlich begleitet hat.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=24581

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Die Ukraine auf dem Weg in die Barbarei: Ein Augenzeugenbericht


Die Rufe, „der jungen Ukraine“ zu helfen, werden immer lauter im Land. Realistische Einschätzungen der politischen Verhältnisse vor Ort sind dabei spärlich gesät und werden teilweise offenbar gezielt unterdrückt. Zur Frage einer realitätsnahen Einschätzung sprach Jens Wernicke daher mit Reinhard Lauterbach, Autor des soeben erschienenen Buches „Bürgerkrieg in der Ukraine“, der sich vor Ort selbst ein Bild gemacht hat.

Weiterlesen: http://www.heise.de/tp/artikel/43/43829/1.html

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PEGIDA ist das Symptom eines größeren Problems


PEGIDA ist in aller Munde und wird dabei in aller Regel entweder vermeintlich „verstanden“ und in Teilen „respektiert“ oder aber als Problem der radikalen Rechten in Deutschland klassifiziert und bekämpft. Umfragen und Studien ergeben jedoch, dass die „Angst vor dem Islam“ seit Langem ein deutsches wie internationales Problem darstellt – und sich nicht nur in einzelnen politischen Lagern verorten und an diese „wegdelegieren“ lässt. Manch einer spricht daher auf der Suche nach Verständnis für die aktuelle gesellschaftliche Situation inzwischen von PEGIDA als dem „Produkt einer (langfristigen) politischen und medialen Inszenierung” und betont vor allem die Funktion von Rassismus in einer immer ungleicheren Welt. Die seit Jahren geschürte Islamfeindlichkeit diene dabei vor allem dazu, eigene Privilegien zu verteidigen sowie die nationale deutsche Identität zu revitalisieren, wie beispielsweise die Professorin für Diversity Studies, Rassismus und Migration Iman Attia betont. Jens Wernicke geht im Gespräch mit der Medienkritikerin sowie Sprach- und Islamwissenschaftlerin Sabine Schiffer diesen Fragen und Hintergründen weiter nach.

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Ohne Existenzminimum geht nichts – für niemanden!


Dass das Geld zum Leben nicht reicht, ist sowohl Hartz IV-Empfängern als auch Erwerbstätigen unterer Einkommensgruppen bestens bekannt. Die Armut im Lande wächst immer mehr an. Was hiergegen jedoch zu unternommen ist – darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Die Vorstellungen der im Bundestag vertretenen Parteien unterscheiden sich dabei in Teilen jedoch deutlich von jenen der Betroffenen, denen in den Medien selten das Wort erteilt wird. Jens Wernicke sprach daher mit Edgar Schu vom Aktionsbündnis Sozialproteste über seiner Meinung nach unmittelbar notwendige Maßnahmen gegen Armut und zur Sicherstellung eines wirklichen Existenzminimums für jedermann im Land.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=24380

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Die 9-Kuh-Geschichte


Es waren einmal zwei Freunde, die sich einen Traum erfüllen wollten, nämlich mit einer kleinen Segelyacht die Erde zu umsegeln. Sie starteten guten Mutes und alles lief sehr gut. Von Zeit zu Zeit liefen sie Häfen oder kleinere Inseln an, um Wasser und Lebensmittel aufzunehmen. Als sie bereits viele Wochen unterwegs waren, kamen sie zu einem Eingeborenenstamm. Der Empfang und die Gastfreundlichkeit waren so grossartig, dass die beiden entschieden ein paar Tage Pause einzulegen und zu bleiben.
Einer der beiden Freunde wurde auf eine Frau aufmerksam und konnte seine Augen nicht wieder von ihr abwenden, schnell war klar, dass die Sympathie beidseitig war. Der Mann hatte nur noch die Frau im Kopf und schwärmte seinem Freund vor wie attraktiv und strahlend sie wäre, dass er nie eine schönere Frau gesehen hätte – er war völlig verrückt vor Liebe. Sein Freund versuchte, ihn auch auf andere, noch schönere und strahlendere Frauen aufmerksam zu machen, aber nichts funktionierte und schließlich beschloss der Verliebte, dieser Frau einen Heiratsantrag zu machen.
Nun war es bei dem Eingeborenenstamm üblich, den Häuptling um die Hand einer Frau aus dem Stamm zu bitten und den Brautpreis festzulegen. Je nach den Qualitäten der Frau (Aussehen, Kochkünste, Wissen im Bereich Heilung, Fähigkeiten bei der Jagd, gebärfreudiges Becken etc.) bewegte sich der Brautpreis zwischen einer Kuh für eine Frau mit wenigen Qualitäten und 9 Kühen für einen Frau mit maximalen Qualitäten – der perfekten Frau schlechthin. Noch nie hatte es in der Stammesgeschichte aber diesen Brautpreis für eine Frau gegeben.
Obwohl noch nie ein Fremder in den Stamm eingeheiratet hatte, willigte der Häuptling in die Hochzeit ein und legte den Brautpreis auf drei Kühe fest. Da sagte der Bräutigam: „Wie, nur drei Kühe, schau Dir diese Frau doch an. Sie ist auf jeden Fall 9 Kühe wert. Ich zahle 9 Kühe.“ Das irritierte den Häuptling und er erklärte, weshalb die Frau nur 3 Kühe wert sei: „Sie gehört nicht zu den schönsten im Dorf, ihr Jagdgeschick lässt sehr zu wünschen übrig und sie kann weder gut kochen noch ist sie sehr ordentlich.“
Doch der Werber blieb stur und sagte: „Ich zahle 9 Kühe.“ Der Häuptling war noch nie mit einer derartigen Situation konfrontiert worden und berief den Ältestenrat ein. Nach langen Diskussionen beschloss dieser, dass der Mann die 9 Kühe bezahlen dürfe.
Die Hochzeit war ein rauschendes Fest und am Tag danach segelte der Freund weiter, mit dem Versprechen, nach ein paar Jahren wieder zu Besuch zu kommen.
Wie versprochen legte fünf Jahre später eine Yacht am Steg des kleines Dorfes an und der Mann, der von Bord ging, war ganz aufgeregt, seinen Freund wiederzutreffen. Die erste Frau, die er sah, war eine unglaublich attraktive Frau, mit einem kleinen Kind auf dem Arm. So strahlend und schön, viel attraktiver als jede andere Frau, die er je zuvor gesehen hatte. Vor lauter Erfurcht traute er sich gar nicht, sie anzusprechen.
Er fand seinen Freund, der ihn unter Jubel willkommen hieß und ihm ein köstliches Essen vorsetzte. So gut hatte der Weltreisende noch nie gegessen. Das Fleisch war zart. Die Hütte war wohnlich eingerichtet, stilvoll und versprühte eine heimelige Atmosphäre. Der Freund erzählte, dass seine Frau die Königin der Jägerinnen seiund bald sein zweites Kind gebären würde. „Du hast sie ja schon gesehen“, sagte der Freund. „Unten am Steg.“ „Das war nicht deine Frau“, sagte der Segler. „Die Frau dort unten war die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“ Und während er das sagte, kam sie zur Hütte und er erkannte sie voller Staunen. „Was um alles in der Welt ist der Grund, dass Du dich so radikal verändert hast“, fragte er sie. Sie lächelte ihr liebreizendes Lächeln und antwortete: „Mein Mann hat 9 Kühe für mich bezahlt und behandelte mich jeden Tag unseres gemeinsames Lebens so großartig, wie es nur eine 9-Kuh-Frau verdient. Also konnte ich gar nicht anders als mich in eine 9-Kuh-Frau zu verwandeln. Genau in die Frau, die er immer in mir sah.“

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Für Gott und Vaterland


Während Aufständischen und Kämpfenden mit islamischer Religion gern ihr Fundamentalismus vorgehalten und ihr Gottesbezug als Zeichen zivilisatorischer Rückständigkeit vorgeworfen wird, verliert kaum jemand ein Wort darüber, dass auch „wir“, der Westen, unsere Kriege „im Auftrage Gottes“ zu führen behaupten. Übersehen, dass Bundespräsident Gauck „weniger im Namen einer philosophischen Überzeugung in der Tradition von Humanismus und Aufklärung als (vielmehr) im Namen einer politischen und, genauer betrachtet, religiösen Ideologie“ spricht und Kriege befürwortet. Und lassen den Staat jährlich 30 Millionen Euro für Militärpfarrer ausgeben, die „ihre“ Soldaten begleiten und beruhigen und somit das Militär stabilisieren und rechtfertigen. Jens Wernicke sprach hierzu mit Diakon Volker Marquart, der sich innerhalb der Kirche für die Abschaffung der Militärseelsorge engagiert.

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Spuren am Weg


Es war einmal ein Vater, der zwei Söhne hatte. Je älter und gebrechlicher er wurde, desto mehr dachte er über sein Leben nach. Und manchmal kamen ihm Zweifel, ob er seinen Söhnen wohl das Wichtigste für ihr Leben weitergegeben hatte.
Weil ihm diese Frage nicht losließ, beschloss der Vater seine Söhne mit einem besonderen Auftrag auf eine Reise zu schicken. Er ließ sie zu sich kommen und sagte: “Ich bin alt und gebrechlich geworden. Meine Spuren und Zeichen werden bald verblassen. Nun möchte ich, dass Ihr in die Welt hinaus geht und dort Eure ganz persönlichen Spuren und Zeichen hinterlasst.”
Die Söhne taten, wie ihnen geheißen und zogen hinaus in die Welt.
Der Ältere begann sogleich eifrig damit, Grasbüschel zusammenzubinden, Zeichen in Bäume zu schnitzen, Äste zu knicken und Löcher zu graben, um seinen Weg zu kennzeichnen.
Der jüngere Sohn jedoch sprach mit den Leuten, denen er begegnete, er ging in die Dörfer und feierte, tanzte und spielte mit den Bewohnern.
Da wurde der ältere Sohn zornig und dachte bei sich: “Ich arbeite die ganze Zeit und hinterlasse meine Zeichen, mein Bruder aber tut nichts.”
Nach einiger Zeit kehrten sie zum Vater zurück.
Der nahm dann gemeinsam mit seinen Söhnen seine letzte und beschwerliche Reise auf sich, um ihre Zeichen zu sehen.
Sie kamen zu den gebundenen Grasbüscheln. Der Wind hatte sie verweht und sie waren kaum noch zu erkennen. Die gekennzeichneten Bäume waren gefällt worden und die Löcher, die der ältere der beiden Söhne gegraben hatte, waren fast alle bereits wieder zugeschüttet.
Aber wo immer sie auf ihrer Reise hinkamen, liefen Kinder und Erwachsene auf den jüngeren Sohn zu und freuten sich, dass sie ihn wiedersahen und luden ihn zum Essen und zum Feiern ein.
Am Ende der Reise sagte der Vater zu seinen Söhnen: “Ihr habt beide versucht, meinen Auftrag, Zeichen zu setzen und Spuren zu hinterlassen, zu erfüllen. Du, mein älterer, hast viel geleistet und gearbeitet, aber deine Zeichen sind verblichen. Du, mein jüngerer, hast Zeichen und Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen. Diese bleiben und leben weiter.”

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Divide et impera


Die Zahl der Kriege und kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Welt nimmt stetig zu. Der Friedensforscher Werner Ruf vertritt hierzu die These, dass aktuell zu beobachten sei, dass „die Verdammten dieser Erde“, wie Frantz Fanon sie vor sechzig Jahren nannte, sich zunehmend erhöben, protestierten und nicht mehr bereit seien, sich mit ihren elenden Lebensbedingungen abzufinden. Oftmals werden derlei „Erhebungen“ jedoch – um wirklichen sozialen Fortschritt sowie die Emanzipation der Armen zu unterbinden – umgelenkt und instrumentalisiert, indem den Sozialprotestlern etwa neue und vermeintlich bessere Herrschaft angedient wird. Eine wichtige Rolle hierbei spielen die mächtigsten Staaten der Welt, die zur Stabilisierung ihrer Macht und Einflussbereiche als konkrete Akteure hinter den Kulissen bereits seit Langem eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung in anderen Ländern verfolgen. Jens Wernicke sprach hierzu mit Wolfang Bittner, dessen aktuelles Buch diese Strategie am Beispiel der Ukraine-Krise deutlich macht.

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Die Freiheit, die sie meinen


Das Bundeskabinett hat grünes Licht für den weiteren Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan gegeben und ein deutscher Dreisterne-General wird in den Medien mit „Ich bin froh, dass ich in Afghanistan bleiben kann“ zitiert. Froh, im Krieg zu sein? Froh, unser aller „Freiheit“ am Hindukusch zu verteidigen? Was genau meint er damit – und was geschieht wirklich vor Ort; jenseits dessen, was uns Politik und Medien glauben machen wollen? Zu diesen Fragen sprach Jens Wernicke mit dem Auslandsjournalisten und Träger des Otto-Brenner-Preises für kritischen Journalismus Marc Thörner.

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Schicksal


Warum es Probleme gibt? Weil es echt ist.
Nur die Illusion funktioniert reibungslos. Wer sie wählt, hat – für eine Weile – keine Probleme. Außer der heimlichen Sehnsucht nach dem Echten.
Das Schicksal fällt nicht meteoritengleich vom Himmel. Es bietet sich an und will durch die Überwindung von Schwierigkeiten verdient werden.
Darin allein liegt Kühnheit, und wer sie wagt, gewinnt alles. Für immer.

Aus: Christopher von Greverode: Liebesschlaf: Gefühlte Gedanken

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Alva Lûn: Tick Tock


time goes by quickly, i look at my life and see
so many things i have missed i can hardly breathe
i wonder how many days, hours and seconds i’ve left
and i hear a knock
tick tock

what are the things you want to spend your last days with?
who are the people to whom you want to speak?
what is the life you want to leave behind?
did you really live it?
did i?

and when the day comes
that brings us our deaths
will it be good?
will it be good enough?

i found you the day it was freezing and people were closed
i gave you my wallet, you had nothing to eat no more
and i turned around and said: „this is my time“
and i left the city
behind

i walked up the street, through the forest and up a hill
and threw away all my clothes and then even my skin
and on the top i stood in the sunlight and burned
i burned everything off me
and then returned

and when the day comes
that brings us our lives
will it be good?
will it be good enough?

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Hagen Rether zur Lage der Welt


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Demokratisierung der Öffentlich-Rechtlichen jetzt!


Medien haben immensen Einfluss auf unser aller Leben und unsere Meinungsbildung: Ob Buch, Fernsehen oder Internet – sie unterhalten und informieren uns. Sie vermitteln uns Wissen und strukturieren zugleich unsere Vorstellungen von der Welt. Dass diese Medien dabei durch verschiedenste Mechanismen den Interessen der Herrschenden verpflichtet sind, hat nicht zuletzt Noam Chomsky in seinen beiden Büchern „Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media“ und „Media Control: Wie die Medien uns manipulieren“ hervorragend skizziert. Die einseitige Parteinahme auch und gerade der öffentlich-rechtlichen Medien im Kontext der Ukraine-Krise hat neben viel Kritik daher inzwischen auch die Zivilgesellschaft auf den Plan gerufen, die die diesbezüglich verbreitete „Propaganda“ zum Anlass nimmt, konkrete Veränderungen zu fordern. Jens Wernicke sprach hierzu mit Sabine Schiffer und Christine Horz von der Initiative „Publikumsrat“.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23993
Alternative Version: https://www.neues-deutschland.de/artikel/953564.buergerfernsehen-und-medien-watchdogs.html

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