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Was lernten die Deutschen


in anbetracht seiner kollegen erklärte der
   schriftsteller arno schmidt
wir deutschen brachten und bringen in überwältigender
   anzahl
die servilsten die zahmsten die königstreuesten autoren
   hervor

schmidt war gegner der remilitarisierung
   durch adenauer und strauß
wie heine laube börne wienberg kühne
   gutzko und panizza
war es ihm auszeichnung genug verfolgt zu sein
   durch die behörden

immer wieder finden sich mistviecher die mir
   schwierigkeiten machen schrieb und donnerte er
darunter auch mistviecher im ornat frommer
   kirchenmänner

die deutschen bischöfe priesen hitler als
   leuchtendes vorbild durch all die jahres des
   terrors
seinen schreckensstaat als retter und vorkämpfer
   europas
seinen weltüberfall als kreuzzug und heiligen krieg

für dieses deutschland besaß der dichter nur hass
   und verachtung
begreifen wir dass jede pistole grundsätzlich so
   eingerichtet sein müsste
dass sie sich nach rückwärts entlädt direkt auf den
   schießenden hin

was lernten die deutschen aus dem ersten
   weltkrieg
die vorbereitung auf den zweiten
was lernten die deutschen aus dem zweiten
   weltkrieg
ja was glauben sie wohl

Aus: Rudolph Bauer: Flugschriftgedichte

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Gedichte...

Jahresrückblick


Oder: Was es zu erlernen galt

Jahr um Jahr
verbringen wir unsere Zeit
mit wichtigen Dingen:
Wir sehen hin und sehen weg
sehen zu
und häufig fern
sehen oft auch
einfach nichts
obwohl es etwas gäbe
oder weil es etwas zu sehen gibt
weil wir nicht wollen oder können
oder uns zu können oder wollen trauen
oder nicht gesehen werden wollen
wie wir sehen
was wir nicht sehen sollen

So sitzen wir da
Tag für Tag, Jahr für Jahr
und resümieren die Welt
wie sie beobachtet war:
Auch dieses Jahr gab es
Liebe und Sieg
– von uns: die Freiheit
von anderen: Krieg

Brücken und Schulen
wurden wegbombardiert
Schaffner, Lehrer und Kinder
mittels Urankugeln und Clusterbomben
einfach seziert

Denn für die Menschenrechte!
das wissen wir längst
muss man manchmal
eben leider auch: töten
morden, meucheln, niedermetzeln, massakrieren, ausrotten, abschlachten
um zu befreien
befreien zu können
Freiheit zu bringen
oder zumindest:
von ihr zu singen

Man kann aber auch
– wer weiß das besser als wir –
während das Publikum singende Superstars im Fernsehen beschaut
viel souveränere und menschlichere Freiheit verschenken
indem man
auf dass sie später ihrer Freunde gedenken
über Jahre hinweg
Offiziere bedrohter Souveräne
in Guerilla-Taktiken unterweist
und ihrem freien Souverän
Chemiewaffenlabors verkauft
noch bevor er vergreist

Man kann immer
und immer wieder
etwas tun
das den meisten Schlechtes tut
und behaupten
es müsste getan werden
weil es getan werden muss
und das Beste für alle wäre
weil es das Beste für alle ist
sein muss
und zu sein hat
wenn es allen ein wenig
weniger gut ginge
als jetzt gerade
und im Moment
und dies nur gut sein kann
weil es anderen
noch schlechter ergeht
behaupten
die Leidenden wären an ihren Leiden
wie die Hungernden an ihrem Hunger
und die Armen an ihrer Armut
selbst schuld
Konflikte schüren und am Eskalieren halten
die die Jungen gegen die Alten
die Alten gegen die Jungen
die Gesunden gegen die Kranken
die Kranken gegen die Gesunden
die Kindergärten gegen die Universitäten
und umgekehrt
sowie die Arbeitenden gegen die Arbeitslosen
wie diese auch gegen sich selbst
und: die Sozialhilfeempfänger
aufbringen
während man einen Konflikt nie benennt
und benennen will
und genau weiß, warum:
den von Arm gegen Reich
und Reich gegen Arm
und mit allen anderen Konflikten
doch nur ausweicht und verbirgt
ablenkt, vertuscht, verschweigt, verheimlicht, unterschlägt, belügt und betrügt
was kaum noch zu verbergen ist:

Dass uns nicht gut tut
gut tun kann
und nie gut tun wird
was uns nicht gut tun soll
Dass Hunger nicht sein müsste
oder muss
selbstverständlich oder selbstverschuldet ist
oder sein kann
wenn kaum mehr
oder gar nicht
zu wählen ist
was man verschuldet
verschulden kann
oder ob und wie
man sich verschulden darf
Dass Freiheit nicht herrscht
herrschen kann, wird oder siegt
wie Krieg niemals
von, für oder durch Menschen gewonnen wird
und Geschichte stets
von Siegern geschrieben ist
Dass Reform Gegenreform
Verteidigung Krieg
Pflicht Unterwerfung
Tugend Gehorsam
und Sünde Ungehorsam meint
und meinen soll

Und so vieles mehr
was es
– auch in diesem Jahr wieder –
erneut
zu erlernen galt

Jens Wernicke am 29.12.2003

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Zitate und Aphorismen


„Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.“
George Bernard Shaw

„Der freie Mensch handelt niemals arglistig, sondern stets aufrichtig.“
Spinoza

„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns.“
Rumi

„Wir erleben den natürlichen Zauber einer Begegnung, wenn wir lernen, anderen Menschen so zu begegnen, als würde ein Teil von uns selbst nach Hause kommen.“
Stephan Ludwig

„Liebe ist, wenn man einander nicht Halt, sondern Wind unter den Flügeln ist.“
Jens Wernicke

„Frage dich nicht, was die Welt braucht.
Frage Dich, was dich lebendig werden lässt
und dann geh los und tu das.
Was die Welt nämlich braucht,
sind Menschen, die lebendig geworden sind.“
Harold Whitman

„Was vor uns liegt und was hinter uns liegt,
sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem,
was in uns liegt.
Und wenn wir das, was in uns liegt,
nach außen in die Welt tragen,
geschehen Wunder.“
Henry D. Thorau

„Wir sind hier, weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt. Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht. Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit. Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich selbst noch andere erkennen – er wird allein sein. Wo können wir solch einen Spiegel finden, wenn nicht in unseren Nächsten? Hier in der Gemeinschaft kann ein Mensch erst richtig klar über sich selbst werden und sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen, sondern als Mensch, der – Teil eines Ganzen – zu ihrem Wohl seinen Beitrag leistet. In solchem Boden können wir Wurzeln schlagen und wachsen; nicht mehr allein – wie im Tod –, sondern lebendig als Mensch unter Menschen.“
Richard Beauvais

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“
Vaclav Havel

„Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind. Unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, was uns am meisten Angst macht. Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, fantastisch zu nennen? Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes. Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt. Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um Dich herum sich nicht unsicher fühlen. Wir alle sind dazu bestimmt, zu leuchten wie Kinder es tun. Wir wurden geboren, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren. Er ist nicht nur in einigen von uns, er ist in jedem einzelnen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir damit anderen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.“
Marianne Williamson

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Wer nur einen liebt, liebt keinen


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Cameron’s Conference Rap


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„Wir befinden uns mitten im Krieg“


Die deutsche Außenpolitik militarisiert sich zunehmend. Das stößt bei vielen Menschen auf Unwillen, breite Gegenwehr und eine radikalpazifistische Position wird den Entwicklungen im Land dennoch nur selten entgegen gesetzt. Die „Antikriegskonferenz 2014“ vom 3. bis 5. Oktober in Berlin nimmt dies nun zum Anlass, „der Bevölkerungsmehrheit Argumente an die Hand (zu) geben, ihr ein Gesicht und eine Stimme (zu) verleihen – jener Mehrheit, die jede Art von Krieg, Waffengewalt, Rüstung und Militäreinsätzen im In- und Ausland ablehnt und ihr ein ‚Nein‘ entgegen setzt.“ Jens Wernicke sprach hierzu mit dem Politikwissenschaftler Rudolph Bauer, Mitglied der “Initiative Antikriegskonferenz Berlin 2014“ und Autor der Broschüre “Wir befinden uns mitten im Krieg. Militarisierung im Digitalen Zeitalter”.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23373

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Die Nato dehnt sich aus und nicht Russland


Über die Ukraine wird zurzeit viel gesprochen und publiziert. Putin bedrohe mittels seiner Einflussnahme in der Ukraine Europa, sei Aggressor, wolle Russland vergrößern etc. pp. Doch was ist dran an der „russischen Aggression“ – und welche Verantwortung trägt auch „der Westen“ wofür? Jens Wernicke sprach hierzu mit dem renommierten Friedensforscher Daniele Ganser.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23352
Alternative Version: http://www.kontextwochenzeitung.de/ueberm-kesselrand/183/die-nato-dehnt-sich-aus-2465.html

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Es kann die Ehre dieser Welt


Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muß in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können.

Theodor Fontane

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Beth Hart: My California


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Wider den Bildungsmarkt


Dass Bildung immer mehr zur Ware wird, ist der interessierten Fachöffentlichkeit seit Langem bekannt. Aber auch Schüler, Studierende und Lehrpersonal spüren mehr und mehr den Ökonomisierungsdruck. Da gibt es immer mehr Wettbewerb, immer mehr Druck, immer knappere Ressourcen, immer mehr Konkurrenz; da wurden Studiengebühren eingeführt und da entwickelte die OECD bereits 1996 in einem Papier eine Strategie zur schrittweisen Einführung flächendeckender Schulgelder im Land. Um auf diese Problemlage hinzuweisen, veranstaltet ein zivilgesellschaftliches Bündnis nun Mitte September eine Tagung in Berlin. Jens Wernicke sprach hierzu mit Torsten Bultmann, einem der Veranstalter.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23261

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Du musst Dich nicht messen


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Der Schlussverkauf öffentlicher Bildung soll beginnen


Die Behauptung, dass PISA alles besser mache, ist durch die Realität in deutschen Klassenzimmern evident widerlegt. Die Kritik am „Besser durch Messen“ gewann daher auch zunehmend an Fahrt. Eine in der ZEIT unter der Überschrift „Unser Schulsystem ist ineffizient. Die Pisa-Gewinner kommen mit weniger Lehrern und geringerer Bezahlung aus“ vorgestellte Studie der britischen Bildungsberatung Gems Education Solutions heizt die Debatte nun auf neue Art an, werden ob derlei „PISA-Analysen“ doch zunehmend Fragen laut, ob das stete Wiegen, das die sprichwörtliche Sau, so die Kritiker, ohnehin noch nie fetter gemacht habe, nicht womöglich von Beginn an viel mehr auf Kürzungen nationaler Bildungsbudgets denn reale Verbesserungen der Lernbedingungen deutscher Schüler ausgerichtet gewesen ist. Jens Wernicke sprach hierzu mit dem renommierten PISA-Kritiker und stellvertretenden Geschäftsführer der Gesellschaft Bildung und Wissen Matthias Burchardt.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23149

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Lese-Rechtschreibschwäche ist keine Krankheit, sondern das Produkt schulischer Selektion


Kinderärzte in Deutschland behandeln einer aktuellen Umfrage zufolge immer mehr Kinder und Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten. 96 Prozent der befragten Mediziner berichten über steigende Zahlen in den vergangenen zehn Jahren. Ähnliches vermeldete vor einiger Zeit bereits das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen in einem Bericht: „Die kontinuierliche Zunahme von psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren ist besorgniserregend“, hieß es dort. Bei den ambulanten Behandlungsraten fiel die Zunahme bei Kindern und Jugendlichen mit 14,3 Prozent dabei fast doppelt so hoch aus wie in der Gesamtbevölkerung. Der weitaus überwiegende Teil der Behandlungsfälle war dabei auf „Entwicklungsstörungen (F80 bis F89)“ und „Verhaltens- sowie emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (F90 bis F98)“ zurückzuführen. Was aber liegt wirklich „am Kind“ – und was vielmehr an den Bedingungen, denen dieses ausgesetzt wird? Jens Wernicke sprach hierzu mit Ulrich Schulte, der als Ausbilder und Wissenschaftler seit Jahren zu Legasthenie, einer der wichtigsten „Entwicklungsstörungen“, arbeitet und forscht.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23118

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Alternative für wen?


Mit der Wahl in Sachsen hat sie es endlich geschafft: Die selbsternannte „Alternative für Deutschland“ (AfD) zieht in ein deutsches Parlament ein. Während die FAZ deswegen beunruhigt ist, konstatiert der Spiegel, dieser Erfolg mache vor allem klar: Diese Partei sei „gekommen, um zu bleiben“. Und tatsächlich deutet auch alles hierauf hin. Doch was ist von der AfD zu halten? Ist sie womöglich eine reale Alternative und Grund zur Hoffnung auch für fortschrittliche Kräfte im Land? Jens Wernicke sprach hierzu mit dem Soziologen, Autor und AfD-Kenner Andreas Kemper.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23091

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Krieg beginnt hier


Am kommenden Montag ist der 1. September – und damit wieder einmal „Antikriegs-“ bzw. „Weltfriedenstag“. Die Friedensbewegung mobilisiert hierfür; die Gewerkschaften ebenso. Die westdeutsche Initiative für diesen Gedenktag ging überhaupt erst vom Deutschen Gewerkschaftsbund aus, der erstmals zum 1. September 1957 unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zu Aktionen aufrief. Doch wie steht es eigentlich heute, 57 Jahre später um Krieg und Frieden in der Welt? Und wie ist es um das Verhältnis zwischen Friedensbewegung und Gewerkschaften bestellt? Jens Wernicke sprach hierzu mit Mag Wompel, Trägerin des Alternativen Medienpreises und Redakteurin beim LabourNet Germany, das sich als „Treffpunkt der gewerkschaftlichen Linken mit und ohne Job im weitesten Sinne – und hierbei der Ungehorsamen“ sowie als basisnah und gesellschaftskritisch versteht.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=23028

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