Journalistisches...

Alternative für Deutschland: Eine Alternative zur Demokratie?


Der Soziologe und Autor Andreas Kemper zu den antidemokratischen Zielen der AfD, der ersten „Facebook-Partei“ Deutschlands.

Weiterlesen: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39244/1.html

Standard
Journalistisches...

Demokratie als Standortnachteil


Liebe Freunde,

aus gegebenem Anlass veröffentliche ich hier einen älteren Text von mir, der am 19. Oktober 2010 bereits bei Telepolis erschien, erneut – diesmal aber in ungekürzter Fassung; in Originalform also, in der er bisher noch nicht veröffentlicht worden ist.

Beste Grüße,
Jens

Weiterlesen

Standard
Fremdes...

Blockupy: So war es nicht! Gegen die Ausgrenzung gesellschaftlicher Opposition durch Polizei und Teile der Medien


Wir, politisch und sozial aktive Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet und TeilnehmerInnen der Demonstration des Blockupy-Bündnisses am 01.06.2013 in Frankfurt am Main, sehen uns angesichts der Darstellung der Polizei und ihrer teilweise immer noch unkritischen Verbreitung zu einer Stellungnahme veranlasst. Wir widersprechen den Klischees, wonach die Polizei durch einige „Chaoten“ und „Randalierer“ gezwungen gewesen sei, Maßnahmen zur Herstellung von öffentlicher Ordnung, Gesetz und Sicherheit zu ergreifen. Auch wenn sich erfreulicherweise einige Tageszeitungen diesem Tenor nicht anschließen, entsteht vor allem durch Verlautbarungen der Polizei und deren unkritische Verbreitung in Teilen der Öffentlichkeit doch wieder dieses Bild. Aber es entspricht nicht den Tatsachen. Wir, die VerfasserInnen und UnterzeichnerInnen dieses Briefes, haben an unterschiedlichen Orten an der Demonstration teilgenommen und über Stunden das Geschehen direkt verfolgt und teilweise dokumentiert.

Wir halten fest:
– Der „schwarze“ Block war bunt.
– Die „Vermummung“ bestand vor allem aus Sonnenbrillen und Regenschirmen.
– Der unmittelbare Vorwand der Einkesselung von über 1000 Personen über insgesamt 9 Stunden war das Abbrennen von 3 bengalischen Feuern.
– Der Vorwurf der „passiven Bewaffnung“ ist aberwitzig und – wie Urteile aus Berlin bereits zeigen – unendlich dehnbar. Schon der Ausdruck „passive Bewaffnung“ verdreht die Tatsachen: ein Styropor-Schild beispielsweise ist ein Schutz, keine Waffe.
– Im Blockupy-Bündnis bestand erklärtermaßen Konsens, dass von den DemonstrantInnen keine Eskalation ausgehen sollte – entsprechend verhielten sich die DemonstrantInnen, und zwar sowohl außerhalb wie innerhalb des Polizeikessels.
– Dagegen war das Verhalten vieler PolizistInnen in hohem Maße übergriffig und unmittelbar körperverletzend.
– Polizeitrupps sind mehrfach (wie auch schon am Vortag) in die stehende Menschenmenge hineingestürmt und haben DemonstrantInnen überrannt und niedergeworfen.
– Vor unseren Augen ist Menschen ohne Vorwarnung, ohne Beteiligung an einer Rangelei o.ä. und ohne, dass eine Gefahrensituation vorgelegen hätte, Pfefferspray aus unmittelbarer Nähe direkt ins Gesicht gesprüht worden (über die Erblindungsrate der Pfefferspray-Wirkung wird derzeit diskutiert).
– Vor unseren Augen sind wehrlose DemonstrantInnen misshandelt worden, indem ihnen bspw. der Kopf nach hinten gezogen und Mund und Nase zugehalten worden ist. Einige brachen daraufhin zusammen. Sie sind nur Dank der Initiative von TeilnehmerInnen der Demonstration versorgt worden.
– Vor unseren Augen ist Menschen, die an Armen und Beinen zur Personalienfeststellung davon getragen wurden, von den sie tragenden Polizisten in die Seite und in den Unterleib getreten worden.
– Vor unseren Augen wurde Menschen der Hals verdreht und die Arme verrenkt..
– Vor unseren Augen erhielten Menschen, die sitzenblieben, als sie von der Polizei aufgefordert wurden, aufzustehen, ohne Vorwarnung Faustschläge mit Protektorenhandschuhen ins Gesicht.
– Die so vorgehenden PolizistInnen waren vermummt und insgesamt gibt es weder Namens- noch Nummerkennzeichnungen, so dass weder die Betroffenen noch wir als ZeugInnen die Möglichkeit hatten, diejenigen PolizistInnen zu identifizieren, die brutale körperliche Gewalt gegen Personen offenbar für ihre Dienstaufgabe halten.

Es geht hier nicht nur um das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstration. Darüber hinaus geht es um das Recht auf körperliche Unversehrtheit derjenigen, die sich für gesellschaftliche Veränderungen engagieren und demonstrieren. Auf der Demonstration insgesamt, und insbesondere unter den betroffenen Eingekesselten und Verletzten, finden sich viele junge Menschen, jene also, die bekanntermaßen von den aktuellen sozialen Entwicklungen in Europa (Stichwort Jugendarbeitslosigkeit) besonders hart getroffen sind. Diese jungen Menschen – und mit ihnen viele andere Demonstrierende – auf das Klischee der irrationalen Störer zu reduzieren, ist nicht nur konkret unangemessen, es ist insgesamt politisch fahrlässig. Es verunglimpft Menschen, die sich um die krisenhaften Entwicklungen in unseren Gesellschaften in Europa sorgen und die sich deshalb engagieren. Und es behindert und diffamiert die dringend notwendige gesellschaftliche Debatte über eine Neuausrichtung der europäischen Politik in der Perspektive sozialer Partizipation und demokratischer Inklusion.

Dr. Stefanie Hürtgen, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung Frankfurt am Main, Dr. Isolde Ludwig, Mitarbeiterin des DGB-Bildungswerks Hessen, Dr. Thomas Sablowski, Mitarbeiter des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa Luxemburg Stiftung, Dr. Nadja Rakowitz, Geschäftsführerin des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte, Kirsten Huckenbeck, Redakteurin und Lektorin, Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Frankfurt am Main, Bildungsreferentin, Dr. Margit Rodrian Pfennig, Goethe Universität Frankfurt am Main, Michael Hintz, Buchhändler und Lehrbeauftragter an der Europäischen Akademie der Arbeit und der Fachhochschule Frankfurt am Main, Michael Burbach, Frankfurt, Kristina Weggenmann, Diplompädagogin, Dr. Bernhard Winter, Mitglied des Vorstands des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte, Ralf Kliche, Lehrer an der Schule für Erwachsene Dreieich, Dr. Jürgen Behre, Maintal, Martin Dörrlamm, Sozialarbeiter Frankfurt am Main, Edgar Weick, Frankfurt, Hagen Kopp, Aktivist der Gruppe „kein mensch ist illegal“, Hanau, Katharina Vester, Frankfurt am Main.

Und: Auch der GEW-Landesvorsitzende Jochen Nagel wurde Opfer von Polizeigewalt! Mehr unter www.gew-hessen.de.

Standard
Fremdes...

Blockupy: Getreten, geprügelt und mit Giftgas bekämpft


Ein Erlebnisprotokoll

Name: Axel Köhler-Schnura
Alter: 64 Jahre
Beruf: Ökonom
Engagement: Coordination gegen BAYER-Gefahren, Stiftung ethecon, Kritische AktionärInnen, Gewerkschaft, DKP

Weiterlesen

Standard
Geschichten..., Journalistisches...

Blockupy


1.

Ich trage ein Schild um den Hals, auf dem ich für 500 Euro Eckregelsatz werbe. Ich laufe durch den immer größer werdenden bunten Haufen junger Menschen, die sich zur Demonstration versammelt haben. Die Sonne scheint. Die Stimmung ist gut. Ich habe ausgesprochen gute Laune. Ich passiere zwei junge Frauen. Die eine hat sich gerade Kaffee oder ähnliches über die Hose gekippt und sagt gerade zur anderen: „Mist, jetzt sehe ich doch aus wie ein Schwein.“ Dabei lächelt sie. Ihr Lächeln berührt mich. Ich bleibe stehen und schaue mir erst die Flecken auf ihrer Hose, dann sie und schließlich das Lächeln in ihrem Gesichte an. Dann sekundiere ich: „Aber ein hübsches Schwein.“ Und lächele selbst. Sie daraufhin, strahlend wie ein junger Sommertag, nur ein wenig schüchterner: „Danke schön“. Dann strahle auch ich. Und gehe weiter meiner Wege. Schön, wie einfach das Leben manchmal doch ist. Und wie schön.

2.

Öffentliche Sitzung des Innenausschusses des Hessischen Landtages. Der Innenminister verbreitet Dinge, die ich nicht als Wahrheiten zu bezeichnen vermag. Danach spricht der Einsatzleiter der Polizei. Er beamt Fotos an die Wand: Viele junge Menschen mit Regenschirmen, einige mit Sonnenbrillen, andere hochgezogenen Kapuzen von Kapuzenpullovern. Bei allen sieht man die Gesichter. Das Foto ist jedoch so dunkel gedimmt, dass man kaum irgendetwas wirklich erkennt. Der Einsatzleiter beschreibt dazu, ich zitiere sinngemäß: „Und hunderte solcher vermummter Radikaler waren in Frankfurt vor Ort!“ Ich murmele in meinen Bart, dass ich keinen Vermummten sehen könne und was an der Ausübung demokratischer Rechte denn linksradikal wäre. Aber ich darf nichts sagen. Nicht laut. Denn die Demokratie im Hessischen Landtag beschränkt sich auf das Rederecht für Repräsentanten und von diesen namentlich Herbeizitierte – sowie die Schweigepflicht für alle anderen. Dann ein Foto, um die Gewalt zu verdeutlichen, die von den Demonstrierenden für die öffentliche Ordnung ausging: Vielleicht zwanzig Polizisten mit Helmen, in schwarzer Monstranz, Knieschützern, Ärmelschützern, Knüppel- und Prügelmontur. Einer von ihnen hat eine weiß eingefärbte Hose weil er einen Luftballon voller weißer Farbe abbekommen hat. Da platzt mir der Kragen. „Da, da sind sie, die Vermummten“, rufe ich in den Raum – und die Hälfte der Anwesenden lacht mit mir mit. Immerhin. Wenigstens das also: Widerständig lachen kann man auch mit den Großkopferten. Zumindest mit einigen hiervon. Trotzdem lache ich lieber mit den Schweinen. Besonders den hübschen. Bin halt auch nur ein Mensch.

Mehr Infos (auch zur Solidemo am Samstag, den 8. Juni 2013) hier und hier. Und ein guter Artikel der FR zum Thema hier. Zitat: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht, heißt es in einem Aufruf zur Demo am Samstag. DGB, SPD, Grüne und Linke solidarisieren sich.“

Standard
Journalistisches...

Stipendien abschaffen – BAföG erhöhen und massiv ausweiten!


Stipendien waren – als Alternative zum BAföG und damit der Studienfinanzierung für alle – schon immer ein strukturell feudales Instrument. Nicht nur stammen sie aus einer Zeit, in der es kein Recht auf einen Studienplatz gab und „Dritte“ darüber entschieden, wem sie durch Verleihung eines Stipendiums, das Privileg von Bildung zukommen lassen wollten und somit von sich abhängig respektive sich gewogen machen wollten. Auch förderten sie junge Menschen stets überwiegend aufgrund ihrer vermeintlichen „Leistung“ und ignorieren dabei, dass diese durch soziale Herkunft immens mitbestimmt wird: Vorträge halten, klug daherkommen und reden, kurzum: die ganze Uni-Angst und der ganze Uni-Bluff, sie sind für ein Arbeiterkind eben deutlich schwerer zu überwinden bzw. „erbringen“ als für Kinder, in deren Kindheit derlei Teil des erzieherischen Allgemeingutes ist.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=17487

Standard
Journalistisches...

Privilegierte gegen Privilegienausbau: Stipendiaten kritisieren Büchergelderhöhung als sozial ungerecht


Zum Wintersemester 2012/2013 wird erneut das so genannte Büchergeld für öffentlich geförderte Stipendiaten erhöht. Bereits als es zum Sommersemester 2011 von 80 auf 150 Euro pro Monat erhöht wurde, regte sich Protest. Nun soll es auf 300 Euro steigen und gibt es erneut Kritik. Und zwar ausgerechnet aus den Kreisen der geförderten „Elite“ selbst, die diese Mittelerhöhung als sozial ungerecht klassifiziert. Studis Online sprach mit Thomas Stange, Mitglied im Sprecherrat der Stipendiaten der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Weiterlesen: http://www.bafoeg-rechner.de/Hintergrund/art-1544-stipendien-buechergeld.php
Alternative Kurzversion: https://www.neues-deutschland.de/artikel/825611.mehr-geld-nein-danke.html

Standard
Journalistisches...

Marktbereitung im Bildungssystem


In wenigen Tagen trifft sich die BildungsGEWerkschaft zu ihrem Gewerkschaftstag. Diskussionen um die bildungspolitischen Leitlinien für die nächsten Jahre stehen auf der Tagesordnung. So unter anderem eine Debatte über die Kommunalisierung von Bildung im Allgemeinen und über so genannte “Kommunale Bildungslandschaften” im Besonderen. In einem der vorliegenden Anträge zu diesem Thema wird – demokratietheoretisch begründet – die Aufhebung der Trennung in innere und äußere Schulangelegenheiten gefordert. Demokratie wird hier vor allem als Dezentralisierung verstanden. Worin allerdings – zumal in Zeiten immer knapper werdender öffentlicher Mittel – das “Demokratisierungspotential” eines “kommunalisierten” Bildungssystem genau liegen soll, verbleibt nebulös. Ist Demokratie etwa einfach nur “Mitbestimmung” – und zwar gerade da, wo es qualitativ kaum irgendetwas mehr “mitzubestimmen” gibt? Oder handelt es sich nicht vielmehr, so die These dieses Beitrags, um eine “marktkonforme” Anpassung der Schule, in der demokratische Mitbestimmung am Ende kaum mehr Platz finden wird, sowie eine Art “Modernisierung” der Legitimation zunehmender sozialer Ungleichheit?

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=17438

Standard
Journalistisches...

“Schluss mit der Militarisierung der Köpfe!”


Interview mit Dietrich Schulze über die größer werdende Bedeutung der Militärforschung an deutschen Universitäten und die wachsende Bedeutung der Zivilklauselbewegung.

Weiterlesen: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39165/1.html
Alternativ: http://www.stattweb.de/files/civil/Doku20130526.pdf
Alternative Kurzfassung: http://www.neues-deutschland.de/artikel/822216.militarisierung-der-koepfe.html
Alternative Kurzfassung als PDF: http://www.stattweb.de/files/civil/Doku20130523.pdf

Standard
Journalistisches...

Das Leben danach: Was tun nach einem Studienabbruch?


Die Zahl der Studienabbrecher ist seit Jahren konstant hoch. Oft wird der “Abbruch” dabei, zumal, wenn er unfreiwillig erfolgte, als persönliches Versagen erlebt – und vermag man vor lauter Verzweifeltsein längere Zeit der Zukunft kaum Positives abzuringen. Doch auch jene, die ein Studium vorzeitig abbrechen, sind gern gesehene Kollegen. Es gibt inzwischen sogar einige Ausbildungsprojekte, die sich speziell an Studienabbrecher wenden.

Weiterlesen: http://www.studis-online.de/Karriere/neustart-studienabbruch.php
Alternative Version: https://www.neues-deutschland.de/artikel/941021.versager-gesucht.html

Standard
Journalistisches...

Mehr Konkurrenz, mehr Stress: Die Bologna-Reform hat das deutsche Hochschulsystem grundlegend verändert


Die deutschen Hochschulen haben sich dank der Bologna-Reform massiv verändert. Eine kürzlich erschienene Studie des Instituts für Hochschulforschung (HoF) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg setzt sich kritisch mit den Ergebnissen der Reform auseinander. Zu dem Wissenschaftlerteam gehören Annika Rathmann und Martin Winter. Für »nd« sprach Jens Wernicke mit den beiden Forschern.

Weiterlesen: https://www.neues-deutschland.de/artikel/820427.mehr-konkurrenz-mehr-stress.html
Alternative Langfassung:
http://www.studis-online.de/Studieren/art-1509-entwicklungen-studiensystem.php

Standard
Gedichte..., Seelisches...

Brief an eine Freundin


„Und wenn wir nur unser Leben nach jenem Grundsatz einrichten, der uns rät, daß wir uns immer an das Schwere halten müssen, so wird das, welches uns jetzt noch als das Fremdeste erscheint, unser Vertrautestes und Treuestes werden. Wie sollten wir jener alten Mythen vergessen können, die am Anfange aller Völker stehen, der Mythen von den Drachen, die sich im äußersten Augenblick in Prinzessinnen verwandeln; vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.“

Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter

Ich habe viele Monster in mir.
Aber eigentlich sind es gar keine.
Es sind getarnte Ängste.
Sie haben sich in Monsterkostümen versteckt.
Und sehen manchmal lustig, oft jedoch bedrohlich aus hierin.

Zwei Monster sind die Eltern der anderen:
Das Verlustangst-Monster.
Und das Fremdbestimmtwerdenangst-Monster.
Die Monster sind alt und der Ursprung aller anderen Angst.
Sie waren einst Freunde.
Sie haben mich gerettet, indem sie Nähe zu meiner Mutter verhindert haben.
Immer, wo es wirkliche Nähe hätte geben können zu ihr, drohte große Gefahr.
Sie hat mich abgewertet und manipuliert. Sie hat mich klein gemacht.
Hieraufhin wurde das Fremdbestimmtwerdenangst-Monster geboren.
Es will mich davor beschützen, dass ich jemandem, den ich liebe, wirklich vertraue.
Denn er könnte mich manipulieren. Mein Wesen brechen. Mich auffressen. Verschlingen.
Meint das Monster. Und früher war es so. Heute nicht mehr.
Auf der anderen Seite hat meine Mutter mir immer Schuld und Verantwortung zugeschoben.
Sie hat mich bedroht.
Wenn ich mich nicht anpasste, würde sie mich verlassen.
Oder ganz furchtbar leiden.
Aber auch dann wäre ich allein.
Ohne Mutter.
Oder sie würde mich abschieben. Ins Heim.
Das war große Gefahr.
Hieraufhin wurde das Verlustangst-Monster geboren.
Es will mich beschützen, Menschen zu verlieren.
Leider bringt es mich immer wieder dazu, mich selbst aufzugeben und zu negieren.
Es denkt nämlich auch heute noch, wenn ich jemanden verlöre, könnte ich sterben.
Und so brachte es mich in der Vergangenheit oft dazu, mich dauerhaft an Leute zu binden, die mir schadeten.
Denn sie zu verlassen, so flüsterte das Monster in mein Ohr, wäre lieblos, ja, eine Art „Mord“.

Oje.
Oje, oje, oje.
Diese Monster.
Einst Freunde und heute Problem.
Sie verhindern wirkliche Nähe.
Verhindern, dass ich meine Schwächen lebe und liebe.
Dass ich so sehr vertraue, dass ich mich wirklich zu zeigen und öffnen vermag.
Verhindern, dass ich mich abgrenze, nein sage, dass ich mich durchsetze.
Und auch heute noch handeln sie aus Liebe.
Das verleiht mir die Hoffnung, eines Tages mit ihnen Frieden schließen zu können.
Wenn ich ihnen endlich Raum gebe, sie zu verstehen beginne, ihnen die Hand reiche.
Ich hoffe, auch mit ihren ganzen Kindern eines Tages Frieden schließen zu können.
Denn da sind einige.

Da ist bspw. das Schuldangst-Monster.
Wenn es wem, den ich mag, schlecht geht oder er reagiert auf mich negativ, bin immer ich schuld.
Wie einst.
Das macht mir höllische Angst.
Ich denke dann, ich sei eine Art Mörder.
Dabei sind andere verletzt, weil ihre Monster ihnen schaden.
Und habe ich selbst noch nie in meinem ganzen Leben jemanden wirklich „verletzt“.
Ich denke nur immer, das ich dies täte.
Aber das ist falsch.

Und da ist auch noch – neben anderen – das Wenigerwertalsandereseinangst-Monster.
Das sorgt bspw. dafür, dass ich, wenn Du wächst, wenn Du Erfolge erringst und Ziele erreichst, mich hierfür hasse, weil es mir dann einredet, jetzt sei ich „weniger wert“ als Du weil anders und schlechter und überhaupt.
Das ist eigentlich eines der schlimmsten Monster.
Weil es in Folge dazu verleiten kann, bewusst oder unbewusst anderen ihr Wachstum zu vereiteln oder vereiteln zu wollen.
Denn: Wenn sie wachsen, fühle ich mich ja klein.
Es ist daher auch ein Anti-Liebe-Monster.
Und wenn man das erkannt hat, hat man auch schon erkannt, was zum Frieden mit ihm verhilft:
Liebe nämlich.
Und die Erkenntnis: Wenn Du wächst, ist das richtig für Dich – und macht mich nicht weniger wert.
Sogar im Gegenteil: Umso besser es Dir (und anderen Menschen in meiner Nähe, die ich liebe) geht, umso eher wachse auch ich selbst.
Wachse mit Dir und Euch „mit“.
Und darum geht es:
Wachsen und größer werden.
Mich hat grad Dein Erfolg mit dem Joggen in eine kurze Selbstabwertungsspirale geführt.
Boah! Wie pervers ist das denn?
Ich bin so froh, dass ich das inzwischen mehr und mehr verstehe und auch präzise fühle.
Weil ich durch diese „Bewusstheit“ endlich gegenzusteuern vermag.
Und daran arbeiten kann, weder mich noch andere auf- oder abzuwerten.
Groß- oder Kleinzumachen.
Und woher auch das?
Aus dem „Du bist niemals gut genug für unsere Liebe“ der ersten Bezugspersonen.

Das ist dann auch schon gleich eine weitere und fast die letzte Erkenntnis hierzu:
Ja, hinter allen Monstern steckt die Angst.
Es sind Ängste, die sich Monsterkostüme angezogen haben.
Aber, und das ist der Clou: Hinter der Angst steckt … Liebe.
Falsch verstandene, frühe, abhängige, wehrlose Liebe.
Liebe, die, um die Mutter zu retten, mich selbst zu opfern bereit war.
Liebe, die mich abwertete, um die Mutter groß und ihren Selbstwert damit stabil zu belassen.
Liebe, die mich dazu brachte, mich anzupassen, bis ich fast draufging, damit die Mutter, die ich so sehr liebte, mich auf keinen Fall verlässt.
Usw. usf.

Und da schließt sich der Kreis:
Es gibt genau zwei Motive im Leben, aus denen heraus Menschen handeln:
Liebe und Angst.
Die Liebe ist das, woran Du erkennst, wer und von welchem Wesen Du bist, was und wer Dich glücklich macht.
Und die Angst ist das, woran Du erkennst, wer Du noch nicht bist, aber werden sollst.
Und umso mehr Du jener wirst, der Du noch nicht bist, umso mehr Du Dich Deiner Angst stellst, umso mehr erkennst Du:
Dass die Angst stets nur falsch verstandene Liebe ist.
Dass Du dort, wo Du sie überwindest, neue Räume in Deiner Seele findest bzw. schaffst.
Dass hinter der Angst schließlich noch mehr Liebe entsteht.
Wirkliche Liebe diesmal.
Liebe in Freiheit und voller Selbstrespekt.
Und dann wirst Du weiter und tiefer … und schließlich: frei.
Ja, umso mehr wir wir selbst werden, umso mehr Liebe und umso weniger Angst wohnt uns inne, denn dann erkennen wir die Zusammenhänge hinter allem und „verstehen“.
Ein weitaus klügerer Mensch als ich hat das einmal so beschrieben:

Wer nichts weiß, liebt nichts.
Wer nichts tun kann, versteht nichts.
Wer nichts versteht, ist nichts wert.
Aber wer versteht,
der liebt, bemerkt und sieht auch…
Je mehr Erkenntnis einem Ding innewohnt,
desto größer ist die Liebe…
Wer meint, alle Früchte
würden gleichzeitig mit den Erdbeeren reif,
versteht nichts von den Trauben.
(Paracelsus)

Ein anderer beschreibt es so:

Drum meine ich:
Liebe und verstehe Deine Monster.
Dann liebst und verstehst Du auch Deine Angst.
Und liebst und verstehst schließlich … Dich selbst.
Gesund. Vor allem aber: frei.

PS: Liebe macht stark!

Standard
Gedichte...

Das Nein in der Liebe


“Je mehr wir in unser eigenes Unbewusstes eindringen, desto mehr entdecken wir, dass wir uns in quantitativer Hinsicht beachtlich unterscheiden, dass wir aber hinsichtlich der Qualität unserer Strebungen gleich sind. Die gründliche Erforschung des Unbewussten stellt [daher] einen Weg dar, die Menschheit in sich selbst und in jedem anderen menschlichen Wesen zu entdecken.“

Erich Fromm: Vom Haben zum Sein, Seite 110f.

Ich habe meine Frau immer verstanden.
Alles verstanden.
Darum hab ich ihr alles „erlaubt“, alles durchgehen lassen, alles mitgemacht.
Erst jetzt verstehe ich, dass ich mich selbst nie verstanden habe.
Und seitdem ich mich zu verstehen beginne, erkenne ich:
Nur, weil ich alles verstehen kann, ist noch nicht alles richtig oder gut.
Menschen haben immer gute Gründe für ihr Handeln.
Aber deswegen ist nicht per se alles richtig, was sie aus diesen Gründen tun.
Jemanden bedingungslos zu verstehen, dessen Verhalten mir schadet, ist Selbstnegation.
Und grade Menschen, die selbst Probleme haben, sehen den Schmerz, den sie anderen zufügen, oft nicht.
Von sich aus werden sie also ggf. jahrelang bei ihren „Gründen“ und ihrem Verhalten bleiben.
Die einzige Chance, hier gesund zu bleiben, ist, zu sagen:
„Ich verstehe Deine Motive – aber richtig ist Dein Handeln für mich dennoch nicht.
So möchte ich nicht mehr, dass Du mit mir umgehst.“
Hier wird das Nein in der Liebe zum Ja zur Beziehung.
Und zwar in doppelter Hinsicht.
Zum einen, weil es einem selbst hilft, einen selber behütet und schützt.
Und zum anderen, weil es auch den anderen zum Wachstum einlädt, ihm aufzeigt, wie sehr er mit seinem oft „liebevoll“ gemeinten Verhalten anderen in Wahrheit Schaden zufügt.
Und ihm damit ermöglicht, zu erkennen:
Mit dem meisten davon schadet er immer auch sich.
Das weiß und ahnt und merkt er oft nur nicht.
Bis man ihn – aus Liebe – darauf hinweist, was sein Verhalten mit einem selber tut.
Im ehrlichen Spiegel der Gefühle anderer erkennen wir uns schließlich selbst.
Und finden so, wenn wir mutig sind, vielleicht eines Tages … nach Haus.
Liebe zu anderen setzt somit eines bedingungslos voraus: Liebe zu sich selbst.
Denn nur, wenn ich mich beschütze, dem anderen nicht erlaube, mir zu schaden, nur dann, wenn ich Nein sage, obwohl ich ihn „verstehe“, hilft das schließlich auch ihm.
Nur dann erkennt er wirklich mich, erkennen wir einander.
Und findet, wenn alles glückt, jeder im anderen schließlich auch: sich selbst.

Standard
Gedichte...

Das Un-Banale


Ich liebe
auch Deine Brüste
und Deinen wachen Verstand

Doch bin ich eitel
und will vor allem
das Un-Banale an Dir lieben
jenes
das nicht
jeder sofort erkennt

Daher
liebe ich
auch den Klang und die Zartheit
Deiner Stimme
an deren Gute-Nacht-Geschichten
und Geborgenheit
Deine Kinder
sich noch erinnern werden
wenn sie selbst
schon Eltern
oder Großeltern
sind

Liebe
die Entschlossenheit
mit der
Du beim Bäckerfrühstück
aufspringst
einen Croissant erwirbst
und ihn
wie selbstverständlich
dem Obdachlosen bringst
der sich gerad
vor unserem Fenster
niedergelassen hat

Und liebe
Deine Sprachlosigkeit
die so leise und umsichtig ist
dass sie mir
nicht einfach schwere, harte Worte
an den Kopf wirft
sondern Dein Fühlen und Empfinden
stattdessen
zu äußern sucht
indem sie
mir ein Lied spielt
das
mich zu Tränen
rührt

Standard
Gedichte...

Aus Liebe zu Dir


für Eva-Maria

Aus Liebe zu Dir
Deine Schätze sehen lernen
und aus Liebe zu diesen
Dich lieben
noch mehr

Aus Liebe zu Dir
Deine Not verstehen wollen
und verstehen lernen
und schließlich
verstehen können
und hierdurch
auch Deine Dunkelheit und Ungnade
mit liebenden Augen
und Wärme im Herzen sehen

Das Dunkle
und das Helle in Dir lieben
weil beides zusammen
erst Leben
und in Summe
ist was Du bist

Aus Liebe zu Dir
gelernt haben
Schätze zu sehen
und auch Dunkelheit und Ungnade
zu lieben und lieben zu können

und Frieden finden
und schließen
nun auch in
und mit mir:
Mich lieben
aus Liebe zu Dir

Standard