Fremdes...

Mit dem Mut der Verzweiflung


Bevor sie ins Licht der Öffentlichkeit traten, durchlebten sie eine »dunkle Nacht der Seele«. Die Trägerinnen und Träger des Alternativen Nobelpreises haben all ihre Kraft für eine lebenswerte Welt eingesetzt. Als Zukunftsmacher sind sie heute weltberühmt.

Weiterlesen: http://www.oya-online.de/article/read/59-mit_dem_mut_der_verzweiflung.html

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Gedichte...

Was bleibt


„Wohin können wir denn sterben,
wenn nicht in immer höheres, größeres Leben hinein!“

Christian Morgenstern

Wer bin ich
wenn ich nichts mehr bin?

Was hab ich
wenn ich nichts mehr hab?

Wenn hinter Vorurteil
und Stolz
und Scham

Wenn hinter Schuld
und Not
und Gier

Das eine
alles ist was bleibt

Was ist dann noch
was bleibt von mir?

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Die Wurzeln manch besonders starker Empathie


Im Gegensatz zu Anna Freud betonte Sandor Ferenczi den traumatischen, die seelische Integrität nachhaltig beschädigenden Aspekt dieses Abwehrtypus (…). In Zusammenhang mit seinem Vortrag formulierte Ferenczi erstmals, dass die von den Kindern erlebte Angst und Hilflosigkeit sie zwinge, „sich selbst ganz vergessend sich mit dem Angreifer vollauf zu identifizieren“.

„Haß ist es, was das Kind beim Geliebtwerden von einem Erwachsenen traumatisch überrascht und erschreckt und es aus einem spontan und harmlos spielenden Wesen zu einem den Erwachsenen ängstlich, sozusagen selbstvergessen imitierenden, schuldbewußten Liebesautomaten umgestaltet.“

Solche Anmutungen übersteigen und überfordern die kindlichen Verständnis- und Verarbeitungsmöglichkeiten, was dazu führen kann, dass es in einen tranceartigen Ausnahmezustand („traumatische Trance“) gerät, in welchem es den Angreifer „introjiziert“, also in seiner (unbewussten) Phantasie in sich hineinnimmt, um ihn als äußere Realität zum Verschwinden zu bringen. Dieser Schutzmechanismus lässt die unerträglich werdende Angst auf Kosten der Realitätswahrnehmung in ein Gefühl traumartiger Geborgenheit umschlagen. Statt sich aktiv mit der bedrohlichen Wirklichkeit des Täters auseinanderzusetzen, wozu es nicht fähig ist, unterwirft es sich dem Willen des Täters und macht ihn zugleich zu einem fremden Teil seiner selbst („Introjektion“). Dies kann bei wiederholten Gewalterfahrungen zu einer regelrechten Zerstückelung der Persönlichkeit („Atomisierung“) führen. Das Kind opfert in einem solchen Extremzustand gewissermaßen sein noch unfertiges, kaum wehrfähiges Selbst, um die lebenswichtige Beziehung zu einer als notwendig wohlwollend vorzustellenden Bezugsperson halluzinatorisch aufrechtzuerhalten. Das überwältigte, emotional und in seiner Wahrnehmungsfähigkeit verwirrte Kind fühlt sich für das Geschehen verantwortlich, was als Introjektion des Schuldgefühls des Angreifers verstanden wird. Dieses Schuldgefühl wird zur Quelle eines beständigen innerseelischen Abwehrkonflikts: Das Opfer entwickelt Hass, der seinerseits wiederum Schuldgefühle hervorruft und daher verdrängt und in Ablenkung vom ursprünglichen Objekt gegen das eigene Selbst gewendet wird. Es kommt in der Folge häufig zu schweren Störungen auf der Beziehungsebene, Depressionen, selbstverletzendem Verhalten oder gesteigerter, nach außen gerichteter Aggressivität. Zugleich kann hier eine unzeitige Entwicklung und unangemessene Frühreifung emotionaler oder intellektueller Fähigkeiten stattfinden, die Ferenczi „traumatische Progression“ nennt:

„Die Angst vor den hemmungslosen, also verrückten Erwachsenen macht das Kind sozusagen zum Psychiater, und um das zu werden, und um sich vor den Gefahren seitens Personen ohne Selbstkontrolle zu schützen, muss es sich mit ihnen zunächst vollkommen zu identifizieren wissen.“

Das gesteigerte, aus der Angst geborene Einfühlungsvermögen macht den traumatisierten Patienten, so Ferenczi, (dabei) geradezu zum Lehrmeister seines Therapeuten und zwinge diesen im Dienst der Therapie zu einem besonderen Maß an Aufrichtigkeit.

Weiterlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Identifikation_mit_dem_Aggressor

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Das öffentliche Schulsystem in der Privatisierungszange


Ein kleiner Verein greift mit einer neuen Publikation in die Debatte um die Privatisierung öffentlicher Bildung ein. Neben der „Verbetriebswirtschaftlichung“ von innen, beispielsweise mittels New Public Management, und Privatisierung von außen, etwa mittels der Austrocknung des öffentlichen Schulsystems bei gleichzeitigem Boom privater Träger, verorten die Autoren der Streitschrift eine dritte Flanke des Angriffes auf das staatliche Bildungsmonopol. Jens Wernicke sprach hierzu mit Reinhard Frankl, Vorsitzender des GEW-Bezirksverbands Unterfranken und Mitglied im Vorstand von KLARtext e.V.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=21109
Alternative Version: https://www.neues-deutschland.de/artikel/952355.roter-teppich-fuer-bertelsmann-und-co.html

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Change


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Journalistisches...

Die Illusion vom Bildungsaufstieg


Dass das deutsche Bildungssystem hochgradig sozial selektiv ist, ist inzwischen ein Allgemeinplatz. Dass die meisten aktuellen Reformbemühungen jedoch faktisch auf eine umfassende „Modernisierung von Auslesemechanismen“ hinauslaufen, wie Torsten Bultmann und Oliver Schwedes dies bereits vor einigen Jahren in ihrem Aufsatz „Die Zukunft des Bildungssystems: Lernen auf Abruf – eigenverantwortlich und lebenslänglich!“ konstatierten, gerät bei weitergehender Analyse aktueller Bildungsreformen zu schnell aus dem Blick.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=21047
Alternative Version: https://www.neues-deutschland.de/artikel/926966.die-illusion-vom-bildungsaufstieg.html

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Journalistisches...

Bildungsfinanzen: Endlich alles gut?


Zum gerade erschienenen Bildungsfinanzbericht 2013 sprach Jens Wernicke mit Ansgar Klinger, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=21015

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Das Nein in der Liebe


Um der Würde willen:
die Würde riskieren.
Und um der Liebe willen:
Von der Liebe gehen.

So vieles liegt nicht in unserer Hand.

Ich wäre gerne geblieben.
Bei Dir. Mir. Bei Uns.
Doch es ging nicht.
Wäre nicht gegangen.
Konnte nicht gutgehen.
Nicht so.

Denn Liebe allein
reicht nicht für die Liebe.
Zumindest nicht
für jene zu zweit.
Es braucht auch: Entscheidung
Bewusstheit, Verantwortung.

So vieles liegt nicht in unserer Hand.

Denn wo wir unbewusst lieben
und nicht Ja sagen
auch zu Auseinandersetzung, Reibung
Konflikt und Kritik
wo wir uns nicht entscheiden
und entschieden haben
uns ganz einzugeben
mit allem, was wir sind
da übernehmen wir
auch keine Verantwortung
für uns und also den anderen
und damit: die Liebe in und zwischen uns.
Da lieben und leben
wir uns nicht selbst.

Zwar nennt man
auch das dann Liebe
doch meint damit nicht Wachstum
sondern Wärme und Beständigkeit
meint Sicher- und Geborgenheit
meint Wohl
und nicht auch: Heil.
Doch kann und darf
soll das allein schon: Liebe sein?

So vieles liegt nicht in unserer Hand.

Und dann Dich bitten
Dich zu öffnen
ganz einzugeben und zu offenbaren
auch mit dem
was hinter und neben dem Wohl
an Leben in Dir noch lebendig ist
und was es
als Grundlage und Fundament
für das, was mir Liebe meint
unbedingt braucht.

Und nicht die richtigen Worte finden
und Hilflosigkeit und Ohnmacht erleiden
Dich kränken
und missverstanden werden hierbei.

Und dann
Dich noch einmal bitten
Dich für mich zu entscheiden
doch nicht bedingungslos
sondern nur
um Deinen noch zu nennenden Preis.
Und meine Würde riskieren
ob dieses Bittens und Flehens
und schließlich gehen
und gehen müssen:
Um meiner Liebe willen
fort von meiner Liebe: Dir.

So vieles liegt nicht in unserer Hand.

Und wäre ich geblieben
und hätte Dich zu halten
und wärmen versucht
wie Du ebenso mich:
Alsbald schon
hätten wir jene Zelle miteinander geteilt
auf die das unbedingte Wohl des jeweils anderen
uns eingeengt und festgelegt hat.
Und wären lieblos und immer liebloser
miteinander geworden
im steten Bemühen
einander alles
nur nicht Herausforderung
und Wachstum zu sein.

Derweilen denke ich: Liebe ist
wenn man einander nicht Halt
sondern Wind unter den Flügeln sein mag.
Und nur ein ehrliches Nein
ermöglicht überhaupt erst
ein wirkliches Ja zum jeweils anderen
in all seiner Würde
sowie als Mensch und Person.

Weil ich Dich liebe
musste ich gehen.

Ein anderer
machte denselben Punkt einmal anders
und formulierte
jede wirkliche Wahrheit sei stets: paradox.

So vieles liegt nicht in unserer Hand.

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„Sarrazins Correctness“


Am Montag dieser Woche erschien Thilo Sarrazins neues Buch „Der neue Tugendterror“ mit einer unglaublichen Erstauflage von 100.000 Exemplaren. Für die Nachdenkseiten sprach Jens Wernicke mit dem Soziologen Andreas Kemper, der sich seit Langem kritisch mit Sarrazin und dessen Thesen auseinandersetzt. Seine Replik auf Sarrazins neues Buch wird ebenfalls in einigen Tagen im Buchhandel erhältlich sein.

Weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=20866

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Anpassung als Sucht


Von Arno Gruen

Jakob Wassermann schrieb einmal: „Ich meine nämlich, Gut und Böse entscheiden sich nicht im Verkehr der Menschen untereinander, sondern ausschließlich im Umgang des Menschen mit sich selbst“ (Wassermann 1985).

Um diesen Umgang mit sich selbst zustande zu bringen, muß ein Mensch sich selber stellen können. Hierfür braucht es eine Kraft, die aus dem Zugang zu den eigenen Gefühlen, Wahrnehmungen und Bedürfnissen herauswächst. Unsere Gesellschaft jedoch stellt ein kulturelles Gefüge dar, das den Menschen von seinen eigentlichen Gefühlen, seiner inneren Welt abtrennt, wegtreibt und darauf besteht, daß seine Wahrnehmungen und seine Ich-Bezogenheit auf Werten basieren, die des Menschen Verletzbarkeit und seine Unsicherheit verleugnen. Die Süchte rings um uns sind Ausdruck des Scheiterns dieser Ideologie des Seins, welche glaubt, daß Macht, Herrschen und Besitzen der Sinn des Lebens sein muß. Damit verwirft sie die Furcht eines Jeden vor seiner Unzulänglichkeit, verstärkt diese aber gleichzeitig. Das Resultat ist eine allgemeine Selbstschwäche, die aber nicht konfrontiert werden darf.

Dies ist der Hintergrund jeglicher Sucht. Ohne dieses Umfeld würde es keine Süchtigen geben. Walther Lechler schrieb: „Der Süchtige ist lediglich der Rauch, der zeigt, daß irgendwo ein Feuer brennt. Meistens bemühen wir uns und begnügen uns, den Rauch zum Verschwinden zu bringen, aber nicht das Feuer, das ihn verursacht“ (Lechler 1983). Und so schlagen wir Alarm um die, die die Gesellschaft als süchtig einstuft, um die eigene Sucht nicht erkennen zu brauchen. Indem wir auf jene weisen, die an der Nadel oder am Alkohol hängen, lenken wir von unseren eigenen, aber gesellschaftlich gebilligten Süchten ab.

Suchtforscher wie Krystal u. Raskin (1983) haben den emotionalen Haushalt der Süchtigen als eine Verarmung ihrer Selbstrepräsentation bezeichnet. „Das Selbst“, schreiben sie, „wird als sehr schwach, hilflos oder wertlos erlebt“. „Die Suchterfahrung“, schreibt ein anderer Forscher, Scherhorn (Scherhorn et al. 1990), „ist deshalb so attraktiv, weil sie das schmerzliche Gefühl der Selbstschwäche vergessen macht. Dies wird besser verständlich, wenn man sich klar macht, daß die Bestätigung zugleich auch eine Abschirmung ist … Abschirmung bedeutet, daß der Süchtige das Suchtobjekt dazu benutzt, sein Bewußtsein ganz zu dispensieren oder es partiell für Sinneseindrücke unempfänglich zu machen, die ihm die eigene Schwäche vor Augen führen würde.“

Suchtverhalten kreist also um ein Gefühl der Selbstschwäche, der man sich nicht stellen kann. Aber wieviele unter uns können sich der eigenen Schwäche stellen? Wer ist gewillt, sich selber ins Gesicht zu schauen? Sind wir nicht täglich damit beschäftigt, uns und anderen zu beweisen, daß wir nicht schwach, verletzlich und hilflos sind? Sind nicht Kriege, Gewalttätigkeiten, Haß auf andere der tägliche Inhalt eines Verhaltens, dem die Angst vor einer nie ganz eingestandenen Schwäche zugrunde liegt?

Schwäche, die nicht konfrontiert werden kann, ist ein Krebs, der aus dem Gefüge einer Selbstideologie empor steigt, die der Macht und nicht der Liebe gewidmet ist. Unsere Alpträume (und wer kann schon sagen, daß er sie nie erlebt hat?), die Freud als Kastrationsängste interpretierte, widerspiegeln einen breit angelegten Vorgang, der in den gesellschaftlichen Zwängen, uns als erfolgreich zu sehen, verankert ist: Um erfolgreich zu sein, müssen wir von klein an lernen, vom Versagen zu träumen. Was zählt in unserer Kultur, ist nicht, im Gefühl des Lebendigen zu sein, sondern wie wir den Erfolg erreichen. Danach werden wir gemessen und messen uns selber. Erfolg ist der Maßstab, nicht die Fähigkeit zu lachen, zu spielen oder zärtlich zu sein.

Dieser Erfolg aber gründet auf dem Versagen eines anderen Menschen. Er beinhaltet Gewalt. Diese Lektion fängt im Elternhaus an, wird in der Schule verstärkt, so daß wir schon lange vor dem Erwachsensein von dem internalisierten Alptraum gekennzeichnet sind: Wir träumen von der Angst des anderen, die unsere eigene ist. Sogar, wenn wir auf dem Höhepunkt des Erfolges sind, träumen wir von der Angst des Versagens. Das eben ist das Problem: Um ein Selbst auf diesen, den Werten der Gesellschaft entsprechenden Wegen aufzubauen, müssen wir uns maskieren. Wir müssen verneinen, daß das, was wir wirklich tun, ist: einem anderen Wesen Schmerzen zuzufügen. Es ist, wie Vaclav Havel es in seinem Essay „Versuch, in der Wahrheit zu leben“ darstellt (Havel 1989): „Ideologie als scheinbare Art der Sichbeziehung zur Welt bietet dem Menschen die Illusion, er sei eine mit sich identische, würdige und sittliche Persönlichkeit womit es ihm möglich wird, alles dies nicht zu sein“.

Sich auf diese Weise zu betrügen, macht es aber unmöglich, gerade den Selbstwert aufzubauen, der einen Menschen in sich ruhen läßt, indem Verletzlichkeit und Hilflosigkeit zum Ausgangspunkt des Seins werden können.

(…)

Die Schlußfolgerung drängt sich auf, daß in unserer Gesellschaft die wirklich Schwachen nicht diejenigen sind, die leiden, sondern jene, die vor dem Leid Angst haben. Die Menschen, die am erfolgreichsten angepaßt sind, sind die eigentlich Schwachen. Darum propagieren sie seit Jahrtausenden den Mythos, daß Empfindsamkeit Schwäche sei. Sie sind es, die allem Schmerz und Leiden durch Spaltung ihres Bewußtseins zu entkommen suchen. Sie sind die eigentlichen Träger einer verzerrten Realität, das heißt der Ideologie der Macht und des Herrschens.

(…)

Der österreichische Dichter Peter Turrini (1986) beschrieb diesen hintergründigen allgemeinen Zustand der Schwäche so:

Ist diese Müdigkeit,
die mich plötzlich überfällt,
der Mantel über alle Tränen
meiner Kindheit?

Ist diese Gleichgültigkeit,
die ich spüre,
wenn andere leiden,
die Angst, zu ihnen zu gehören?

Ich halte mich
mit aller Gewalt
gegen mich selbst
aufrecht.

Als Jugendlicher
stemmte ich manchmal
einen Sessel
mit den Zähnen hoch,
in der Hoffnung,
daß meine Schwächen
von soviel Stärke
widerlegt werden.

Heute stemme ich
mangels guter Zähne
keine Sessel mehr.
Die Art aber,
Stärke zu zeigen,
damit die Schwäche
übersehen wird,
ist geblieben.

Wie lange noch
werde ich alles hinunterschlucken
und so tun,
als sei nichts gewesen?

Wie lange noch
werde ich auf alle eingehen
und mich selbst
mit freundlicher Miene
vergessen?

Wie lange
kann ein Mensch
sich selbst nicht lieben?

Es ist so schwer
die Wahrheit zu sagen,
wenn man gelernt hat,
mit der Freundlichkeit
zu überleben.

Weiterlesen:
http://www.lptw.de/archiv/lintext/LindText1994.pdf

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Ein „Ja“ zur Lebendigkeit


Wenn jemand alleinstehend oder in einer „toten Beziehung“ lebt, „gelingt“ die Verdeckung des Traumas – oftmals zu Lasten der Vitalität. Viele Menschen suchen dann einen Lebensberater auf, um die Probleme wieder „wegzumachen“, beispielsweise wenn sich […] Empfindungsschwäche oder Beziehungsprobleme bemerkbar machen. Wie Arno Gruen in seinem Vortrag „Anpassung als Sucht“ zutreffend beschreibt, „gehen die meisten Menschen aus dem irrigen Grund in Therapie, um von ihrer Menschlichkeit befreit zu werden, weil sie sie als Behinderung empfinden, und nicht etwa, um diese Empfindungen zu bewahren“.

Der Wunsch, dem Lebendigen zu entgehen und damit auch der Gefahr von Retraumatisierungen, drückt sich oftmals in dem Streben nach einer „himmlischen“ Beziehung aus. Hierbei handelt es sich nicht um einen Himmel, den man sich gemeinsam erarbeitet, sondern um ein Ideal, das dem Betreffenden wie Tauben im Schlaraffenland in den Mund fliegen soll. Om C. Parkin hat diese Verklärung in seinem Mahnvortrag zum Thema „Tristan und Isolde“ auf wunderbare und zutreffende Weise beschrieben.

Gerade traumatisierte Menschen suchen sich häufig einen Partner, um dem Elend ihrer Einsamkeit zu entgehen und miteinander auf Wolken zu schweben, statt sich mit ihm gemeinsam ehrlich und authentisch auf den Weg zu machen, um den Weg zum Himmel freizuschaufeln.

Geschieht innerhalb einer konfliktreichen Beziehung keine Trauma-Arbeit, erleben die Beteiligten oftmals ein Wechselspiel von „Himmel und Hölle“: Beide Partner träumen von ihrem „Traumpartner“, projizieren ihren Kinderhimmel in die Beziehung hinein, beschwichtigen alles Ungelöste, bis die Spannung zwischen Ideal und Realität untragbar geworden ist. Dann kommt es zu „dem bösen Auslöser“ und auf einmal bricht das Gewitter los, das zwar vorübergehend reinigt, aber nicht dauerhaft transformiert.

Andere wagen sich gar nicht in feste Beziehungen hinein, damit ihre Traumata ja nicht angetastet werden. Kennzeichnend für unsere Zeit (und oftmals auch für Traumatisierungen) ist das verstärkte Auftauchen der ewigen Femme Fatale und des ewigen Don Juan: Wenn diese Traumtänzer nach der anfänglichen Verliebtheit aus dem 7. Himmel stürzen und „die Masken fallen“, denken sie, die falsche Person als Partner aufgelesen zu haben und suchen meistens schnell nach dem nächsten Partner, getreu dem Motto: „Beim nächsten Mann/der nächsten Frau wird alles anders!“

Nach dem Gesetz der gegenseitigen Anziehung gibt es [aber] keinen „falschen“ Partner. Das, was wir in einer festen Beziehung erleben, Krise, Streit, Herausforderungen, auch Langeweile, ist eigentlich gesünder als wir denken. Es ist der Beginn eines Heilsweges, der nicht angestrebt würde, würde das Paar nicht mit seinen Beziehungsthemen konfrontiert werden.

Weiterlesen: Die Dreiteilung im Trauma nach Ruppert

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Kurze Beine


Stimmt es wirklich
dass die Wahrheit schmerzt
oder ist das nur
eine der Lügen der Lügen
die diese verbreiten
um sich zu verbreiten
weil sie es
gern bequem haben
und glauben
auf kurzen Beinen
käme man schneller ans Ziel?

Und wenn es stimmt
dass die Wahrheit schmerzt
spricht das dann für
oder gegen sie, sag?
Ich frage nur, weil ich denke
dass doch noch jedes Geborenwerden schmerzt
die Geburt nun aber wahrlich
nicht Feind
des Lebens ist.

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Freiheit, die vierte


Die Tränen zu- und fließen lassen
wenn sie denn fließen wollen

Die Angst fühlen
und wahrnehmen
wenn
und wie
sie die Gedanken verengt
und Muskeln zusammenzieht

Die Ohnmacht fühlen
wenn Menschen gehen
weil sie sterben
oder im Nachhinein feststellen:
Ich habe Dich nie geliebt
und bei all dem anderen
dass sich der so genannten
Kontrolle entzieht

Und die Sehnsucht fühlen
all die Sehnsucht
die hinter den Tränen, der Angst und Ohnmacht lebt
Als Leere in den Waden
Kribbeln in den Händen
und Wärme
in der Brust

Und die Not in Worte fassen
in richtige Worte
sie fühlen, ausdrücken, leben und erleben
Das ist dann
fast schon wieder:
Glück

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Die Angst vor der Liebe


Liebe hat Risiken und Nebenwirkungen. Wer sich öffnet, wird verletzlich. Und das mögen wir oft nicht. Denn es macht Angst. Schnell schützen wir unsere wunden Punkte wieder und gehen schon mal vorsorglich zum Gegenangriff über. Doch als das Leben uns die Heilmittel „Beziehung“ und „Liebe“ verschrieben hat, stand von Streit und Hader nichts in der Packungsbeilage. Ein Interview mit den Paartherapeuten Vibhuti Uzler und Ananda Coordes.

Redaktion: Wie kann man denn eigentlich Angst vor der Liebe haben, Liebe ist doch so etwas Wunderbares, ist Fließen, Aufgehobensein?

Vibhuti: Meint man. Viele Menschen haben aber gelernt, dass Liebe etwas kostet, dass Liebe damit verbunden ist, dass ich viele meiner Gefühle unterdrücken muss, dass ich nicht ich sein darf, dass es keinen Platz gibt für meine Wut. Liebe macht auch Angst, weil man an alte Geschichten erinnert wird, wenn man sich öffnet und die Kontrolle aufgibt. Anziehung bedingt Nähe und durch die Nähe werden unsere wunden Punkte berührt. Da in unserer Kindheit Liebe nie etwas Eindeutiges, sondern immer mit Ansprüchen verbunden war, kommt natürlich in Beziehung auch wieder die Angst hoch, sich zu verlieren, dass der andere einem die Freiheit raubt oder dass man verstoßen, verraten und belogen und fallen gelassen wird – dass also die Liebe aufhört. Es gibt eine Menge Menschen um die 30 oder 40, die in ihrem Leben noch nie eine längere Beziehung geführt haben. Das hat sicher auch damit zu tun, dass bei diesen Menschen die Angst groß ist, dass der andere einen so heftigen Einfluss auf sie hat, dass sie sich selbst verlieren. Daher bleiben sie lieber allein. Sie verweigern damit eine Erfahrung, die sie heilen könnte, denn eine echte Beziehung würde bedeuten, sich dieser Angst wieder auszusetzen, und das ist oft eine zu große Hürde.

Ananda: Das Problem ist eigentlich unser Beziehungsmodell. Liebe wird oft mit einem Gefühl der Sicherheit, der Bestätigung, der Geborgenheit verwechselt. Und wenn es das auf einmal nicht mehr gibt, dann ist auch die Liebe weg. Wenn Menschen noch nie bedingungslose Liebe erfahren haben und sie kommen dann zusammen und meinen, die Liebe müsste jetzt einfach so geschehen, dann erwächst daraus ein Problem. Beziehung ist da, um sich als Mensch zu entwickeln. Was am Anfang einer Beziehung ist, darf man nicht mit Liebe verwechseln. Liebe entsteht vielleicht im Laufe einer Beziehung. Beziehung ist ein Experimentierfeld. Die anfängliche Anziehung zwischen zwei Menschen ist der Köder, damit sie sich überhaupt auf dieses Experimentierfeld begeben.

Weiterlesen: http://www.sein.de/archiv/2008/mai-2008/die-angst-vor-der-liebe.html

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Kämpfe nicht mit dem Tod


Ein Toter hat kein Problem mit dem Tod. Er ist bereits tot – da ist der Tod kein Problem. Als Lebende steht uns der Tod bevor, irgendwo gleich um die Ecke erwartet er uns. Dieser wartende Tod, dieses unentwegte Abwarten, dass er irgendwo in der Nähe steckt und jederzeit eintreten kann, ist das Problem. Also kämpft der Mensch immerzu gegen ihn an und das ganze Leben wird zu einem bloßen Ringen mit dem Tode. Das ganze Leben wird einfach vertan, einfach vertan mit Vorbeugen, mit Verschanzen – um sich den Tod vom Leibe zu halten.
Wir können nicht lebendig sein, weil der Tod da ist. Wir können nicht leben, wir können nicht authentisch leben, weil uns der Tod nicht gestatten wird zu leben. Wie kann einer leben, wenn der Tod droht? Wenn Du doch sterben wirst, wie kannst Du dann friedlich leben? Wie kannst Du selig leben? Dann ist jeder Schritt im Leben nur ein Schritt auf den Tod zu. Dann ist jede Bewegung eine Bewegung in Richtung Tod, dann ist jede Bewegung eine Bewegung Deines Todes auf Dich zu.
Für die Religion ist der Tod das Problem: Was ist da zu tun? Wir tun alles Mögliche: Mit Hilfe von Reichtum, von Wissenschaft, von Hygiene, von Schutzmaßnahmen, von Medizin, von Philosophie, von Theologie treffen wir alle möglichen Vorkehrungen, wie wir todlos werden können. Wir stellen alles Mögliche auf die Beine, aber alles erweist sich als umsonst, vergeblich, absurd. Der Tod kommt doch, und jede Vorkehrung erweist sich als vergeblich. So ist es seit jeher gewesen und so wird es immer sein, denn der Tod kommt in Wirklichkeit nicht erst in der Zukunft, er kommt auch aus der Vergangenheit.
Sobald einer geboren wird, wird in ihm der Tod mit geboren. Der Tod ist nicht erst in der Zukunft – wäre er nur etwas Zukünftiges, könnte man ihm ausweichen –, sondern er ist Teil der Vergangenheit. Er ist nur ein Teil desjenigen Vorgangs, den wir ‚Geburt‘ nennen. Die Geburt ist der Beginn des Todes – oder man kann auch sagen: Der Tod ist nur ein Ende des Geburtsvorganges. Somit ist Dein Geburts-Tag auch Dein Todes-Tag. Der Anfang ist das Ende, weil jeder Anfang sein Ende in sich enthält. In jedem Anfang steckt sein Ende als Saatkorn. Wäre der Tod nur etwas Zukünftiges, dann ließe er sich umgehen. Lässt er sich aber nicht: Er ist ein Stück von Dir, er ist hier und jetzt – einfach in Dir drin, fortschreitend, wachsend.
Der Tod ist nicht ein festgelegter Punkt irgendwo, sondern ein Gewächs in Deinem Innern. Er wächst fortwährend weiter. Wenn Du ihn bekämpfst, wächst er weiter. Wenn Du ihn nährst, wächst er weiter. Wenn Du vor ihm davonläufst, wächst er weiter. Du kannst tun, was Du willst, Du kannst schlafen, kannst entspannen, kannst arbeiten, kannst nachdenken, kannst meditieren – egal, was Du tust, eines ist gewiss: Der Tod wächst unentwegt, immerzu weiter. Er benötigt nicht Deine Hilfe, er benötigt nicht Deine Kooperation. Deine Verteidigungsmaßnahmen sind ihm gleichgültig – er wächst weiter. Warum? Weil er zugleich mit Deiner Geburt auf die Welt gekommen ist, Teil Deiner Geburt ist. Dem Tod kann man also nicht entrinnen, jedenfalls nicht so, wie der Mensch und der menschliche Geist das immer versucht haben. Diese Upanishaden sagen auch nicht, dass man dem Tod entrinnen könne, wohl aber, dass man todlos werden kann. Du kannst etwas erfahren, das unsterblich ist, das nie sterben wird. Aber wie lässt sich das erfahren? Wo soll man danach suchen, und wie es entdecken? Schließlich haben sich alle uns bekannten Anstrengungen einfach als sinnlos, als belanglos erwiesen!
Diese Upanishaden sagen nun: Kämpfe nicht mit dem Tod. Kümmere Dich lieber darum, lerne besser kennen, was Leben heißt. Man muss mitten in die Flamme des Lebens hineingehen. Führe kein abwehrendes, kein negatives Leben. Versuche nicht länger, dem Tod auszuweichen – so etwas ist negativ. Sei positiv und versuche zu erfahren, was das ist – Leben. In Wirklichkeit ist der Tod nicht das Gegenteil des Lebens. Im Wörterbuch vielleicht, aber nicht in der Existenz. Der Tod ist nicht das Gegenteil des Lebens; der Tod ist das Gegenteil der Geburt.
(…)
Wir müssen uns das Leben wie einen Fluss vorstellen: In diesem Fluss gibt es einen Punkt, der ‚Geburt‘ genannt wird und einen Punkt, der ‚Tod‘ genannt wird, aber der Fluss fließt weiter. Der Fluss geht über den Tod hinaus. Der Fluss ging der Geburt voraus. Dieses flussartige Leben muss zutiefst erkannt werden; erst dann können wir das erkennen, was todlos ist. Selbstverständlich muss etwas, das todlos ist, zwangsläufig auch geburtlos sein … aber unsere gesamte Aufmerksamkeit wird in die Irre geleitet. Unser ganzer Fokus ist darauf gerichtet, wie wir dem Tod entgehen können, und nicht, wie wir das Leben erkennen können. Es gilt: gegen den Tod, nicht für das Leben.
Das ist der einzige Haken, und nur deswegen können wir nie das Todlose kennen lernen. Wir machen immerzu weiter damit, hören nie auf damit, nach neuen Methoden, neuen Techniken, neuen Wegen zu suchen, wie wir dem Tod entrinnen können. Und dann kommt der Tod irgendwann – und der Tod kommt bestimmt. Erkenne, was Leben ist.

Jesus hat gesagt: ‚Sucht nach dem Leben, dem Leben in Hülle und Fülle.‘ Gebt Euch nicht zufrieden mit dem, was ihr unter ‚Leben‘ versteht. Sucht mehr, holt mehr heraus, geht tiefer hinein – macht mehr Leben locker! Uns geht es immer nur um weniger Tod, uns geht es nie um mehr Leben; wie gebannt starren wir immerzu auf den Tod!
Es verhält sich folgendermaßen: Wenn alles dunkel ist, kann man zweierlei tun: Entweder kann man anfangen, die Dunkelheit zu bekämpfen und versuchen sie zu zerstören oder man kann anfangen, nach Licht zu suchen – was eine ganz andere Art der Suche ist. Man kann die Dunkelheit direkt bekämpfen, aber dann wird man unterliegen. Und die Dunkelheit wird siegen – nicht weil sie stärker ist als Du, nicht weil Du machtlos gegen sie bist – nein. Die Dunkelheit hat keine Macht, Du bist nicht machtlos; Dunkelheit ist einfach nur eine Abwesenheit von Licht, und gegen eine Abwesenheit kann man nicht kämpfen.
(…)
Ist das Licht weg, tritt Dunkelheit ein. Geht das Licht an, ist die Dunkelheit weg. Suche also nach Licht, suche nach Leben. Kämpfe nicht gegen den Tod, kämpfe nicht gegen die Dunkelheit. Geh nicht negativ vor, geh positiv vor. Und unter ‚positiv‘ verstehe ich: Suche immer nach etwas Anwesendem, suche nie nach etwas Abwesendem – Du wirst es niemals finden.
(…)
Diese Upanishaden besagen: Kämpft nicht gegen den Tod, sonst kämpft ihr gegen das Abwesende; sucht lieber nach etwas Anwesendem, das in Euch ist. Wer ist in Dir vorhanden? – finde es heraus. Was in Dir ist anwesend, das Du ‚Leben‘ nennst? Was ist das in Dir, das Du ‚Leben‘ nennst? Von woher in Dir kommt es? Was ist der Mittelpunkt, die Quelle davon? Schürfe tief in Dir nach und lege die Quelle frei. Dieser Upanishade zufolge liegt die Quelle im Herzen verborgen. Diese Quelle des Lebens ist im Herzen verborgen. Geh in Dein Herz und finde dort die ursprüngliche Quelle.
Hast Du diese Quelle erst einmal kennen gelernt, dann wird es für Dich keinen Tod mehr geben. Dann wird keine Angst mehr da sein, dann wird kein Problem mehr da sein. Hast Du das Leben selber erst einmal kennen gelernt, bist Du unsterblich geworden.

Aus: Osho: Tod – Der Höhepunkt des Lebens

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